– Vom Sumpf der Selbsttäuschung zum Seelengarten der Tugenden –
Die Erkenntnis über die Welt im Außen führt zur Erkenntnis der eigenen inneren Welt. Die Erkenntnisprozesse in beiden Welten ergänzen und bereichern einander. Sie bedingen das gegenseitige Vertiefen, Ausdehnen und Erheben im Einklang mit den Gesetzen Gottes.
Das Thema der Selbstreflexion oder des Innenschaus sollte jeden von uns beschäftigen – sei es dringend in akuten Konfliktsituationen oder leise bei Unzufriedenheit mit sich selbst oder auch im Leid. Es ist eng mit dem Prozess der Selbsterkenntnis verbunden, weshalb wir auf Erden wandeln. Denn das große Ziel aller Geister ist es, in die geistige Heimat zurückzukehren: hell, rein, frei, sich selbst bewusst, tugendhaft und wahrhaft selbstbewusst.
Diesem Prozess kann keine Seele entkommen. Sie trägt alle Fähigkeiten in sich, damit ihr dies gelingt – wenn sie es wirklich will und diese nutzt.
Gleich zu Beginn gilt es, eine Verwechslung aus dem Weg zu räumen: Selbstreflexion hat nichts mit Grübeln zu tun. Grübeln nutzt die Gedankenkraft einseitig, um sich selbst zu schonen und zu rechtfertigen, ohne Einfühlungsvermögen, ohne sich in andere hineinzuversetzen, ohne Verbindung mit der eigenen Empfindung. Stattdessen sucht der Grübler nach einem praktischen Sündenbock, um die liebe Eitelkeit zu schonen. Grübeln ist Zeit- und Energieverschwendung und zugleich eine Züchtung des Egos. Das ist nicht der richtige Weg.
Grübeln ist jedoch nicht nur eine schlechte Gewohnheit. Es kann den Menschen so sehr an sein eigenes Ich fesseln, dass ihm der Blick auf die Wahrheit über sich selbst verlorengeht. Dann dient der Verstand nicht mehr der Erkenntnis, sondern der Selbstrechtfertigung. Die Empfindung wird zum Schweigen gebracht, und die Schuld wird fast immer außerhalb der eigenen Person gesucht.
Narzissten können berühmte Grübler sein, die sich am Ende des Grübelprozesses noch wichtiger dünken als vorher. Gerade darin zeigt sich ihre Unfähigkeit zur Selbstreflexion. Der Grübelprozess führt sie nicht zur Wahrheit über sich selbst, sondern tiefer in die Rechtfertigung des eigenen Ichs.
Dabei haben sie ihre Empfindung erfolgreich zum Schweigen gebracht. Ihre Mitmenschen bringen sie ebenfalls zum Schweigen, indem sie ihnen die Worte im Mund verdrehen, sie verleumden oder Lügen über sie verbreiten, um sich selbst schließlich triumphierend auf der Bühne darstellen zu können. Entweder treten sie dominant und rechthaberisch als Täter auf. Gelingt ihnen dies nicht, wechseln sie geschickt in die Rolle des armen Opfers – als Drama King oder Drama Queen –, je nachdem, womit sich Menschen besser beeinflussen lassen.
Ein Narzisst vermag sich nicht wirklich in andere hineinzuversetzen, auch wenn er dies von sich behauptet. Empfindung, Gedanken, Worte und Taten stehen bei ihm nicht im Einklang, sondern häufig im Widerspruch. Das verwirrt sein Umfeld, obwohl er sich oft besonders direkt und überzeugt ausdrückt. Das hat Methode. Er belehrt andere ungefragt, hält sich selbst für im Recht und bemerkt nicht, wie viele Fehler er dabei selbst begeht. Es gibt viele Verstandesmenschen auf Erden, die sich wissend und wichtig inszenieren, besonders dann, wenn sie im Namen einer höheren Macht oder einer besonderen Berufung auftreten. Dadurch gewinnen sie Bewunderer, schüchtern viele Menschen ein und verdecken zugleich ihr eigentliches Motiv: Es geht um sie selbst – um ihre Erlösung, ihre Heldentaten, ihren Erfolg und ihren Namen.
Hinter dieser Fassade die Intrigen, den Einfluss und die Manipulation zu erkennen, fällt vielen schwer. Denn die Maske ist oft geschickt auf das Wohl des Großen Ganzen ausgerichtet. Der Narzisst denkt gern in großen Bildern, doch stets kreisen diese um das eigene Ich.
Empfindungsmenschen leiden besonders unter diesem Einfluss. Der Narzisst heftet sich an sie, weil sie Mitgefühl, Verständnis und schöpferische Kräfte besitzen, von denen er zehren kann. Mal schmeichelt er, mal schlägt er mit harten Worten zu – ein Wechselspiel von Zuckerbrot und Peitsche. Nicht mitzuspielen ist die einzige Antwort. Das ist leichter gesagt als getan, besonders wenn es sich um ein Familienmitglied oder den Vorgesetzten handelt. Doch der Narzisst benutzt Menschen wie Figuren auf seinem Schachbrett. Wer innerlich überleben will, muss dieses Brett irgendwann verlassen.
Gerade weil der Narzisst immer Recht behalten, das letzte Wort haben und niemals aufgeben will, bleibt ihm der ehrliche Blick in den Spiegel seiner eigenen Seele verschlossen. Fehler werden nicht bei sich selbst gesucht, sondern stets beim anderen. Deshalb kann er die Perspektive nicht wechseln und sich selbst nicht wirklich reflektieren.
Doch narzisstische Verhaltensweisen finden sich bis zu einem gewissen Grad in vielen Menschen. Hier besteht Hoffnung. Denn jeder Mensch kennt Augenblicke, in denen er sich rechtfertigt, den Fehler zuerst beim Nächsten sucht oder seine eigene Schwäche verdeckt. Darum beginnt der Weg der Selbsterkenntnis immer bei einem selbst – niemals beim anderen.
Die Kräfte der Wechselwirkung führen jedoch jeden Menschen früher oder später an den Punkt, an dem er sich selbst begegnen muss. Niemand kann sich diesem Gesetz auf Dauer entziehen. Was der Mensch in seinem Inneren verdrängt, tritt ihm schließlich im Leben entgegen. Die Schöpfung drängt zur Wahrheit.
Gerade in der heutigen Zeit geschieht dies in einer bisher ungekannten Verdichtung.
Die Kräfte der Wechselwirkung zwingen heute nicht nur Grübler oder Narzissten, sondern alle Menschen, sich mit sich selbst zu konfrontieren. In dieser Zeit des Endgerichtes werden alle Schleier nach und nach gelüftet. Alles Verborgene drängt zum Licht.
Alle Systeme zeigen ihre Krankheit. Kriege brechen offen aus, während andere im Verborgenen vorbereitet und geführt werden. Erdbeben, Überflutungen, Finanzkrisen, Straßengewalt, die Machtübernahme der Künstlichen Intelligenz in nahezu allen Lebensbereichen sowie Nöte aller Art erschüttern die Völker der Erde.
Die moralischen Werte werden auf den Kopf gestellt. Was abscheulich ist, wird gepriesen, und das, was heilig ist, wird mit Füßen getreten.
Umso mehr braucht der Mensch inmitten dieses überwältigenden Chaos eine Insel der Ruhe. Einen Ort, an dem Ordnung, Klarheit und Sicherheit im Lichtstrahl einkehren können. Einen Raum, um sich selbst wieder zu spüren, in sich selbst zu ruhen und die Verbindung mit der geistigen Welt neu zu beleben.
Diese Insel der Ruhe für den eigenen Geist zu pflegen, ist zu einer sehr anstrengenden Arbeit geworden. Sie war zwar seit jeher notwendig, doch der Verstandesmensch spürt seine Empfindung nicht mehr und handelt schon seit über zweitausend Jahren nicht mehr danach. Deshalb musste der Gottessohn Jesus auf die Erde kommen, um der verlorenen Menschheit, die in den Abgrund geraten war, den Weg zurück zu den lichten Höhen zu ihrem Herrn und Gott zu zeigen.
Da die Lehren Jesu verdreht wurden und die Menschen seitdem immer tiefer gesunken sind, scheint die Arbeit der Selbstreflexion heute wie eine verzweifelte Aufgabe, die zum Scheitern verurteilt ist.
Diese Arbeit mit der Empfindung scheitert bereits an einfachen, grundlegenden physischen und materiellen Hindernissen: an schlechter Atmung, einem überreizten Nervensystem, Schlaf- und Zeitmangel, Stress, Gedankenkarussellen, falscher Ernährung, Vergiftungen durch Strahlungen, Umweltgifte, Medikamente, Hormone, Impfungen und vieles mehr.
Sie scheitert aber auch an einem mangelnden Willen, sich selbst ehrlich zu betrachten und das eigene Sein im Wissen um die Gesetze der Schöpfung wieder einzuordnen.
Selbst wenn all diese Voraussetzungen einigermaßen erfüllt wären, würde die innere Arbeit der Selbstreflexion noch immer an Hochmut, Beschränktheit, zahlreichen blinden Flecken, Voreingenommenheit, Selbstsucht, Trägheit und Weichlichkeit scheitern können.
Wir müssen uns klar machen, in welchen Sumpf wir uns hineinmanövriert haben: dass wir kaum noch in der Lage sind, gesund zu atmen, zu essen, zu schlafen und mit uns selbst, mit unserem Schöpfer, mit der Natur und miteinander in rechter Weise umzugehen.
Der Verstand, der an sich ein wunderbares Werkzeug der Natur ist, wurde so sehr korrumpiert, dass wir uns ihm restlos versklavt haben.
Die Empfindung kann jedoch nicht einfach nach dem Motto wieder entzündet werden: „Zauberstab, Abrakadabra – die Empfindung ist wieder da!“ Kein Mensch kann sein Großhirn verkleinern und sein Kleinhirn vergrößern lassen wie andere Körperteile heutzutage verändert werden. Also müssen andere Lösungen gefunden werden. Doch welche?
Denn ohne die Verbindung mit unserer Empfindung und mit unserem freien, festen Wollen zum Guten brauchen wir gar nicht erst zu beginnen.
Die Lösung beginnt mit einem ersten Schritt: mit dem festen Entschluss, das Geistige in unserem Inneren wieder mit seinem Geist zu beleben. Und was verbindet unseren Geist mit unserem Körper?
– Ja, die Atmung und das Blut.
Diese zu bereinigen, bildet bereits eine stabile Grundlage. Dazu gehört eine bewusste körperliche Hygiene, ebenso wie freudige Bewegung in der Natur, ausreichend Schlaf in der Nacht, eine bewusste und stärkende Ernährung sowie unterstützende Entgiftungsmittel wie Aktivkohle und Shilajit.
All dies braucht zugleich Flexibilität, Wachsamkeit und Disziplin.
Über jedes einzelne dieser Themen könnten Vorträge gehalten werden, so wichtig und komplex sind die Zusammenhänge geworden. Denn die Zerstörungskräfte gegen Gesundheit und Geist sind zu einem gewaltigen Geschäft und einem regelrechten Krieg geworden.
Es sind weitere Tugenden erforderlich für einen aufmerksamen Erkenntnisprozess: der Mut, sich selbst ehrlich und auch unbequem anzuschauen – jedoch gerecht, wach und konstruktiv – sowie Geduld und Ausdauer.
Es sind viele Tugenden, nach denen wir uns sehnen und die wir anstreben können: Zuversicht, Demut, Hingabe, Treue, Freude, Sanftmut, Bescheidenheit, Anmut, Entschlossenheit, Selbstdisziplin, Würde, Siegeskraft, Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Großzügigkeit, Maßhalten, Wachsamkeit, Wahrheit, Lichtsehnsucht, Mitgefühl, Dankbarkeit und Ehrfurcht.
Diese Tugenden können jedoch nicht allein durch Affirmationen im Kopf wirksam werden.
Sie müssen sich tief mit unserem Geist verbinden, damit sie in unserem Wesen lebendig werden können.
Denn sie sind mit großen Wesen in lichten Reichen verkörpert, die als Gefäße dienen, um deren Ausstrahlungen aus Gott zu empfangen und sie an alle offenen Geschöpfe weiterzuleiten.
Es sind mächtige Kräfte, die einen freien Platz in der Seele benötigen.
Die Schwächen, die Anhaftungen und die falschen Glaubenssätze müssen verwandelt werden. Auf dem Müllboden von Feigheit, Streitsucht, Murren, Habgier, Hochmut, Launenhaftigkeit, Unrecht, Eitelkeit, Sturheit, Begierde, Neid, Heuchelei und vielem mehr kann kein Seelengarten der Tugenden gedeihen.
Deshalb muss das Gift der anhaftenden Empfindungen, Gedanken und Worte erkannt und beseitigt werden. Dies geschieht, indem sie nicht länger genährt werden und durch Fleiß, Bewusstsein und Hingabe in die ihnen entsprechende Tugend verwandelt werden.
Wenn der Geist eine Schwäche erkennt oder ihre Umwandlung aus eigener Kraft nicht allein vollbringen kann, darf er sich Hilfe holen: durch Naturheilmittel, durch Vergebungsrituale, durch Blumenessenzen, durch ein offenes Gespräch oder auch durch das klare Beenden toxischer Beziehungen und den bewussten Verzicht auf schädliche Mittel.
Jesus gab hierzu eine wichtige Hilfe mit den Worten:
„Du siehst den Splitter in deines Bruders Auge und achtest nicht des Balkens in deinem Auge!“
Diese Worte sollen nicht nur zu mildem Mitgefühl mit dem Nächsten anregen, sondern ganz konkret helfen, die eigenen Fehler und Schwächen zu erkennen.
Wenn eine Schwäche im anderen Menschen uns so sehr reizt, aufregt, innerlich aufwühlt oder sogar den Schlaf raubt, obwohl wir davon nicht unmittelbar betroffen sind, dann ist dies ein Hinweis darauf, dass diese Schwäche in uns selbst noch eine starke Wurzel besitzt.
Anders ist es, wenn die Fehler eines anderen Menschen uns direkt oder indirekt schaden. Dann muss sich die Seele bewusst damit auseinandersetzen und darf nicht aus Beschränktheit oder blinder Reaktion handeln.
Sich gegen Ungerechtigkeit und Verbrechen zu empören, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen eines gesunden Rechtsempfindens und des Mitgefühls mit den Mitmenschen. Das ist Seelenadel.
Stumpf zu werden, weil scheinbar alles in der Welt aus dem Gleichgewicht geraten ist, mit dem Gedanken: „Dagegen kann man halt nichts machen“, und sich deshalb nicht mehr aufzuregen, ist keine Stärke. Es ist eine Aushöhlung der Seele – eine Gleichgültigkeit, die mit Herzenskälte und innerer Erstarrung einhergeht.
Auch hier soll die Empfindung klares Gehör finden, damit ehrlich geprüft und abgewogen werden kann, woran die Seele leidet und welches Heilmittel notwendig ist: die radikale Entfernung, das Düngen, das Stützen oder vielleicht ein neuer Samen.
Es sind klare Entscheidungen zu treffen: an sich zu arbeiten und bewusst zu wählen, mit welchen Kräften gearbeitet werden soll. Jeder Mensch befindet sich in einem Entwicklungsprozess, doch dieser muss diszipliniert, mutig und mit offener Empfindung Tag für Tag vorangetrieben werden, bis er Früchte trägt und abgeschlossen werden kann, um einen neuen Entwicklungsschritt zu beginnen.
Eine Schwäche nach der anderen muss erkannt, angenommen und verwandelt werden, damit eine Tugend nach der anderen wachsen kann.
Bewusst, geduldig, Schritt für Schritt, Tag für Tag.
Wer jetzt damit beginnt, hat die Möglichkeit, seinen Erkenntnisprozess fortzusetzen und seinen Seelengarten aus Tugenden im Reich der Tausend Jahre gedeihen zu lassen.
Nur Mut!
Parasitenkräuter erkennen, fest ergreifen, herausreißen und dem Feuer übergeben! Dann können Blumen und edle Pflanzen ihren Platz im Seelengarten einnehmen. Welche Tugenden wollen sich in diesem Seelengarten entfalten, die bisher leider überwuchert waren?
Diese Tugenden können jedoch nicht allein durch Affirmationen im Kopf wirksam werden. Sie müssen sich tief mit unserem Geist verbinden, damit sie in unserem Wesen lebendig werden können.
Denn sie sind mit großen Wesen in lichten Reichen verkörpert, die als Gefäße dienen, um deren Ausstrahlungen aus Gott zu empfangen und sie an alle offenen Geschöpfe weiterzuleiten.
Es sind mächtige Kräfte, die einen freien Platz in der Seele benötigen.
Der Erkenntnis- und Selbsterkenntnisprozess erhält seine volle Kraft und eine besondere Unterstützung, wenn er in den Momenten der Stille in der Seele reifen kann.
Wenn die Seele ruhig wie ein See geworden ist, vermag ihre geistige Führung ihr jene Kräfte mit den besonderen Qualitäten zukommen zu lassen, die sie in diesem Augenblick benötigt, ebenso wie Inspiration und gute Ratschläge.
Ist der Kopf hingegen voller Hektik, belastender Gedanken und mit der Oberflächlichkeit des Tagesgeschehens angefüllt, kann das Reine aus dem Licht den Weg in unser Inneres nicht finden und sich dort nicht verankern.
Darum ist die Stille kein leeres Nichts, sondern ein lebendiger Raum der Begegnung. In ihr kann die Seele wieder empfänglich werden für die feinen Regungen des Geistes, für Führung, Erkenntnis und jene Kräfte, die sie auf ihrem Weg stärken.
Beten und Wachen sind dabei mächtige Helfer. Das Beten öffnet die Seele zum Licht, zu ihrem Schöpfer und zu ihrem Ursprung. Das Wachen erhält sie aufmerksam, damit sie die feinen Bewegungen in ihrem Inneren wahrnimmt und unterscheiden lernt, welche Kräfte in ihr wirken wollen.
Nur eine wache und stille Seele vermag die Führung des Lichtes wirklich aufzunehmen und im eigenen Leben fruchtbar werden zu lassen.
Mögen wir all diese Hilfen demütig ergreifen, ihre Kräfte in uns empfinden und mit ihnen aufsteigen!
Virginie Oehmigen

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