Die Sexualkraft, die uns der Herr als das Höchste und Feinste, das die Grobstofflichkeit zu bieten hat, offenbart hat, verbindet den Geist eines Menschen mit seinem Werkzeug, dem Körper. Durch die Sexualkraft kann der Menschengeist die Grobstofflichkeit durchglühen und beleben; erst durch die von der Kraft geschlagene Brücke also erfüllt der Mensch seine von Gott vorgesehene Aufgabe auf Erden als Mittler zwischen dem Geistigen Reiche Gottes und der Stofflichkeit. Seine Empfindung durchglüht bei richtiger Betätigung des Wollens sein Handeln und verleiht allem, was mit diesem Menschen in Berührung gelangt, frische Kraft, neues Leben und wird gehoben zu größerer Vollkommenheit. Jedes Geschöpf Gottes sehnt sich dringlichst nach dieser Nähe zu dem Licht, welche auch der Geist zu vermitteln fähig ist. Diese Sehnsucht, die auch an jeden Menschen mehr als einmal herantritt, ist nichts anderes als der innigste Wunsch zur Entwicklung – jenen Idealen zu entsprechen, die in der Kraft dieses Lichtes ruhen. So ist es auch mit den Wesenhaften, den Tieren und den Pflanzen, die die Gaben aus dem Licht dankbar entgegennehmen, um auch selbst vollkommener, heller und schöner zu werden. Denn die Lichtsehnsucht ist in jedem Geschöpf Gottes verankert – sogar in der Pflanze, die unaufhörlich nach dem Lichte strebt. Nur unterscheidet sich der Mensch von ihnen in einem Punkte: nämlich, dass er entscheiden kann, nach seinem freien Willen dieser Sehnsucht zu gehorchen oder sie zu ignorieren und gewaltsam beiseite zu schieben.

Die Sexualkraft gibt die Brücke zur Betätigung des freien Willens in der Nachschöpfung.

Gerade der freie Wille ist es, welcher den Menschengeist zum Menschengeiste macht und ihn dadurch auch über jedes andere Lebewesen hebt, als jenen, dem Macht über sein eigenes Schicksal gegeben ist – der, der seinen Niedergang und seinen Aufstieg in eigenen Händen hält. Nur ist es nicht nur sein eigenes Schicksal, das er durch sein Wollen zu beeinflussen fähig ist, sondern er vermag auch andere Geister, Wesen, die Natur und ganze Weltenteile mitzureißen, welche ihm auf seinem Wege der Entwicklung durch die Nachschöpfung anvertraut werden. Welch eine Verantwortung! Und diese Verantwortung, die im Betätigen des freien Wollens in der Nachschöpfung liegt, ist es, die wir uns dringlichst vor Augen halten müssen. Und die Folgen, die in den haarscharfen und unerbittlichen Gesetzen Gottes liegen, bei falscher Betätigung dieses Wollens.

Auch bei der Sexualkraft wird heute stark gesündigt, da man sie, anstatt als stärksten Auftrieb zum Licht zu verwenden, zwecklos vergeudet in blinder Sinnestaumelei. Sie ist es, welche kurzzeitig den Menschen besinnt zu höherem Ziele, die melancholisch und sehnsüchtig stimmen lässt, durch die ahnende Verbindung mit dem Licht. Aber gerade das heißt eine Welt, die nur Wert auf Leistung und die Jagd nach Erdendingen und irgendwelchen Genüssen gutheißt, nicht allzu willkommen. Die Jugendlichen, die beim Heranreifen ihres Körpers auf Erden in die Jahre kommen, wo die Sexualkraft ihren Höhepunkt findet, finden sich plötzlich als Fremdlinge in ihrer Umgebung wieder und fühlen sich gewissermaßen gezwungen oder zumindest dazu gedrängt, dieser Umgebung und ihrem Streben zu entsprechen, um der Gefahr völligen Ausgestoßenwerdens zu entgehen. Und leider ist es so, dass diese Sehnsucht, die mit einem Verträumtsein einhergeht, sogar auch von manchen dieser Jugendlichen als lästig empfunden wird, weil zu „weltfremd“. Deswegen greifen sie, bei großer Steigerung, um das immer wieder hochsteigende Empfinden und die Sehnsucht zu unterdrücken, nach Rauschmitteln und Drogen, lauter, tief schwingender Musik, extremer körperlicher Betätigung im Sport und im schlimmsten Falle nach ungesunder sexueller Betätigung jedweder Art. Damit wird das Band zwischen Geist und Körper gelähmt und somit das Gefühl aufsteigender Melancholie und der Druck, die Zeit nicht zu vergeuden, verstummt.

Zwar fühlen sich solche Menschen besser der Umwelt angepasst, aber zu welchem Preis? Die kostbare Zeit, welche dem Menschen gegeben ist, durch die stärkere Verbindung im Höhenfluge alle irdischen Bande in kürzester Zeit zu lösen, ist verloren. Es ist eine Tragödie und müsste jedes Herz traurig stimmen, wenn man das weiß und heute auf die Jugend blickt.

Jedoch ist es nicht nur die Jugend, die dies betrifft! Es ist ein immer wiederkehrendes Phänomen, das auch erwachsene Menschen erfasst, die ebenso die Flucht ergreifen wie die jungen. Schließlich haben die jungen es sich irgendwo abgeschaut. Es ist das „Sich-nicht-spüren-Wollen“, das „Sich-nicht-mit-sich-selbst-Konfrontieren-Wollen“. Dieses „Selbst“ ist jedoch ihr Geist – das, was sie wirklich sind, was sie mahnt und was sie herausreißen will aus endlosem Sühnezwang. Die Empfindung muß um jeden Preis unterdrückt werden! Und das wiederum macht den Sinnestaumel, die Drogen und auch den Sex notwendig; denn um etwas nicht zu spüren, muß die Brücke dazu zerschlagen werden. Dadurch wird die edelste Blüte der Grobstofflichkeit, die Wärme und das Lebendige, das in dieser Kraft ruht, in den tiefsten Dreck gezerrt. Sie dient dann nur noch als Zerrbild dessen, wozu sie ursprünglich geschaffen wurde – zur bloßen Befriedigung irgendwelcher Gelüste, für die sie in ungesunder Einseitigkeit vergeudet wird.

Was jedoch kaum jemand unter diesen Menschen erkennen will, ist, daß auch sie – wie jeder Mensch – Geschöpfe sind, die aus Gottes Liebe und Gotteslicht hervorgegangen sind, um ihren Entwicklungsgang durch die Nachschöpfung anzutreten und dabei den Kreislauf zum Segen jeder Kreatur und der ganzen Materie zurück zum Ursprung zu schließen. Und gerade dabei spielt die Sexualkraft als treueste Stütze eine entscheidende Rolle. Daher ist es wohl eine der wichtigsten Erkenntnisse, diese Kraft zu kennen und sie wie eine Kostbarkeit vor jeder Art von Vergeudung zu bewahren, sowie die Zeit, in der sie zur Betätigung des freien Willens besonders stark glüht, zu nutzen, um Segen zu spenden – zum eigenen Heil und zum Heile der Welt!

Geschrieben von Marcus Dalby

2 Antworten zu „Die Brücke des Geistes in der Grobstofflichkeit“

  1. Avatar von jovial52a5b3134f
    jovial52a5b3134f

    Guten Tag Herr Dalby   Ich habe Ihren guten Vortrag mit Freude gelesen.   Freundliche Grüße  Markus Bösch  Die Flamme <comment-reply@wordpress.com> h

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    1. Avatar von Flammenträger

      Guten Tag Herr Bösch,
      es freut mich dass Ihnen dieser Beitrag Freude bereitet hat.
      Mit freundlichen Grüßen
      Marcus Dalby

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