Das Leben von Abdruschin: Ein Biografischer Überblick

Ein Überblick über die bedeutendsten Ereignisse, die das Leben des Schriftstellers prägen. Eine lebendige und äußerst detaillierte Darstellung, die in dieser Form sonst im Internet nicht zu finden ist.


Kurzübersicht – Biographie von Abdruschin (Oskar Ernst Bernhardt)

1. Grunddaten

  • Name: Oskar Ernst Bernhardt, bekannt als Abdruschin
  • Geboren: 18. April 1875, Bischofswerda, Sachsen
  • Gestorben: 6. Dezember 1941, Kipsdorf, Sachsen
  • Wirkstätte des wichtigsten Lebensabschnitts: Vomperberg, Tirol (13.02.1928 – 12.03.1938)

2. Kindheit und Jugend

  • Geburt in Bischofswerda im Gasthof „Gambrinus“; als jüngstes Kind mit sonniger Kindheit beschrieben.
  • 07.05.1875: Taufe in der evangelisch-lutherischen Christuskirche auf den Namen Oskar Ernst.
  • Besuch von Grundschule, Mittelschule und Handelsschule (Fächer: u. a. Deutsch, Englisch, Buchführung).

3. Familie und frühes Erwachsenenleben

  • 17.08.1887: Maria Bernhardt (später seine Frau) wird in Leipzig geboren und von Pfarrersleuten adoptiert; musikalisch hochbegabt.
  • 1892: Abdruschin schließt kaufmännische Lehre ab; strebt ursprünglich Theologiestudium an – seine Mutter lehnt ab.
  • 1897: Er zieht nach Dresden, arbeitet im Metallwarenhandel und wird Teilhaber.
  • 10.07.1897: Heirat mit Susanna Auguste Martha Oeser.
  • 1899: Geburt des Sohnes Herbert; spätere wirtschaftliche Schwierigkeiten in mehreren Firmenbeteiligungen.

4. Trennung und Reisen

  • 1900: Ehekrise; Abdruschin verlässt seine Familie und reist nach Kleinasien (heutige Türkei), um Schriftsteller zu werden.
  • Er regelt geschäftliche Angelegenheiten, nimmt Wechsel auf und verpfändet Möbel, um Sicherheiten zu schaffen.
  • Deutscher Generalkonsul verschafft ihm gültigen Paß; Reise soll Grundlage für ein Buch werden.

5. Dresdener Prozesse und Haft

  • 04.12.1901 & 02.02.1902: Abdruschin wird unschuldig zu insgesamt 13 Monaten Haft wegen Betrugs verurteilt.
  • Ursache: Streit um Wechsel, Konkurs und falsche Besitzbehauptung verpfändeter Möbel; Schwiegermutter verweigert Aussage zu seinen Gunsten.
  • Die Urteile werden später von Gegnern als belastendes Argument gegen ihn verwendet.

6. Berufliche Werdegänge und Literarisches Schaffen

  • 1903: Tätigkeit als Buchhalter, später Verantwortlicher bei Architekturbüro in Zürich; nebenbei Autor kleinerer Reiseberichte.
  • 18.11.1903: Geburt von Herbert Vollmann (Schwiegersohn).
  • 1905–1906: Direktor im „Merkur-AG“ in Bern; danach Beteiligung an „Neptun“ Aktiengesellschaft; Konkurs 1907.
  • 1906: Erstes Buch „Aus fernen Landen“ erscheint.
  • 1907: Tochter Edith wird geboren; schwere Erkrankung führt zu Wohnsitzwechsel nach Mainz.
  • Abdruschin etabliert sich als bekannter Schriftsteller, schreibt Romane, Novellen, Dramen und Reiseerzählungen.

7. Literarisches Werk (Auswahl)

  • Viele Werke zwischen 1906 und 1922, u. a.:
    • Aus fernen Landen (1906)
    • Sin patria (1909)
    • Der Deserteur (1911)
    • Erdenbann (1917)
    • Der Skorpion (1920)
    • Diamanten (1922)
  • Nutzung mehrerer Pseudonyme wie Kurt Valkenau, Braunfels, O. Sund.

8. Zwischenstationen und neue Wege

  • 1912: Aufenthalt in New York mit juristischen/sozialen Tätigkeiten.
  • 1915: Abdruschin wird von britischer „special police“ verhaftet und auf die Isle of Man internierte.
  • 1918: Erneute familiäre Veränderungen und Begegnung mit Maria Freyer, später seine zweite Frau.

9. Entstehung der Gralsbotschaft

  • 1923–1926: Verschiedene Wohnortwechsel; in Bad Heilbrunn entstehen erste Vorträge der Gralsbotschaft.
  • 1927: Gründung der Zeitschrift Der Ruf – Schrift für alles fortschrittliche Wissen; Veröffentlichung von Vorträgen und beantworteten Fragen, die später in Fragenbeantwortungen 1924–1937 erscheinen.

10. Vomperberg – Hauptwirkstätte (1928–1938)

  • 13.02.1928: Übersiedlung nach Vomperberg bei Vomp/Tirol; Kauf und Eintragung der „Gralshöhe“.
  • Aufbau einer Gralssiedlung mit u. a.:
    • neuem Gesellschaftsmodell
    • Gralsgeld
    • Kindergarten & Gralsschule
    • Yaspis-Laboratorium
    • Gralsmuseum
    • Landwirtschaft, Handwerksbetriebe, Feuerwehr

11. Gralsbotschaft & Gemeinschaftsleben

  • Viele Vorträge werden gehalten; grüne Plakate mit Gralskreuz werben für Veranstaltungen.
  • Inneres Selbstläuterungsprinzip: Charakterbildung vor äußerer Veränderung.
  • Andachtshallen gebaut; erste Andacht 07.09.1929; erste Gralsfeier 29.12.1929.
  • Reihung und systematische Herausgabe der Gralsbotschaft Ende 1931.

12. Konflikte, Anfeindungen & Verfahren

  • Mehrere Anzeigen und Prozesse wegen Vorwürfen wie Förderung unzulässiger Gemeinschaften, Betrug, Religionsbeleidigungen.
  • 25.12.1932: Vortrag „Weihnachten 1932“ führt zu Anzeige, später eingestellt.
  • Abtrünnige lösen wiederholte Konflikte aus.

13. Nationalsozialismus & Verfolgung

  • 30.01.1933: Machtergreifung in Deutschland; Abdruschin lehnt Nationalsozialismus grundsätzlich ab, insbesondere Judenverfolgung.
  • Böswillige Behauptungen über seine Herkunft führen zu Konflikten und späterer Verfolgung.

14. Spätere Entwicklungen (1934–1938)

  • Aufbau weiterer Einrichtungen: Verwaltungsgebäude, Feuerlöschtruppe, Reihenhäuser, Gästehaus (1935), Materialseilbahn (1935), Zildererhof (1936).
  • Lesekreise der Gralsbotschaft entstehen international.
  • Weiteren Ausbau der Siedlung; Pläne für Tempel.

15. Abschlußjahre

  • 1938: Ende der Tätigkeit auf dem Vomperberg unter politischem Druck.
  • 1939–1941: Abdruschin lebt verbannt in Kipsdorf und schreibt Verteidigungsschriften gegen Anschuldigungen.
  • 06.12.1941: Tod in Kipsdorf.

16. Nachwirkung

Nach seinem Tod entsteht die Gralsbewegung durch ehemalige Anhänger, deren Ausrichtung teilweise umstritten ist im Verhältnis zur ursprünglichen Botschaft. 


Grunddaten

Oskar Ernst Bernhardt, bekannt als "Abdruschin". 
Geboren am 18. April 1875 in Bischofswerda/Sachsen
Gestorben 6. Dezember 1941 in Kipsdorf/Sachsen
Wirkstätte auf dem Vomperberg in Tirol (13.2.1928 - 12.3.1938)


Geburt und Kindheit

18.04.1875, ca. 13.30 Uhr:
Abdruschin wird in Bischofswerda, Sachsen, im elterlichen Gasthof „Gambrinus“, Kirchstraße 10, geboren. Seine Mutter ist bei der Geburt 36 Jahre alt. Er ist das spätgeborene Nesthäkchen. Seine Kindheit und Jugend sind sonnig und glücklich.

07.05.1875:
Abdruschin wird in Bischofswerda in der evangelisch-lutherischen Christuskirche auf den Namen Oskar Ernst getauft.

Schulausbildung

Schulausbildung

Abdruschin besucht vermutlich einige Jahre die Grundschule (= „2. Bürgerschule“), darauf aufbauend sechs Jahre die Mittelschule (= „1. Bürgerschule“) und anschließend drei Jahre die Handelsschule.
Unterrichtsfächer sind Deutsch, Englisch, Handelskorrespondenz, Stenographie und Buchführung.

Maria Bernhardt – Herkunft und Jugend

17.08.1887:
Maria Bernhardt wird im evangelischen Krankenhaus St. Jakob in Leipzig geboren. Ihre Eltern sind Friedrich Robert Taubert und seine Frau Auguste, geborene Barwolf.

19.12.1887:
Taufe von Maria in der evangelisch-lutherischen St.-Petri-Kirche auf den Namen Marie Alma. Ihre Mutter stirbt zwei Wochen nach der Geburt im Kindbett. Die kleine Maria wird in Schweta bei Mügeln von dem Pfarrer-Ehepaar Ernst Oswald Leberecht Kauffer und seiner Frau Hedwig Pauline, geborene Leue, aufgenommen und mit sechs Jahren adoptiert.
Sie ist musikalisch hochbegabt (Klavier, Gesang).

Schulabschluss und Berufsausbildung

1892: Abdruschin will die Universität besuchen, um Seelsorger zu werden. Seine Mutter ist strikt dagegen. Auf ihren Wunsch hin absolviert Abdruschin eine dreijahrige kaufmännische Lehre bei der renommierten Bischofswerda „Kolonial – Großhandels -Firma C. L. Huste & Sohn“ in der Dresdener Straße. Anschließend arbeitet er dort zwei Jahre als Angestellter bis 1897.

Dresden, Heirat und erste Unternehmungen

1897:
Abdruschin verzieht nach Dresden in die Rosenstraße 35. Er arbeitet zunächst als Angestellter der Firma „Roeser Metallwaren-Grosso-Geschäft“ in der Güterbahnhofstraße 5 (Parallelstraße zur Rosenstraße) und wird nach einigen Monaten Teilhaber.

1897:
Vermutlich besucht Abdruschin mit seinem Bruder Alwin einen Tanzkurs und lernt dort Susanna Auguste Martha Oeser kennen, geboren am 21.12.1871 in Dresden.

10.07.1897:
Heirat von Abdruschin und Susanna Auguste Martha Oeser.

Geschäftliche Entwicklungen

1898:
Abdruschin übernimmt den Mineralwasser-Generalvertrieb für ganz Sachsen der Firma „Sauerbrunnen Klosterle“ bei Karlstadt (Tschechien?), was sich über Jahre als florierendes Geschäft erweist.

1898:
Der Firmeninhaber der Firma Roeser scheidet aus; Abdruschin wird Alleininhaber. Er verzieht in die Holbeinstraße 67.

1898/1899:
Die Firma erweist sich im Nachhinein als marode und nicht sanierungsfähig.

1899:
Sohn Herbert wird geboren.

1899:
Abdruschin beteiligt sich am Handelsgeschäft „Hospotar“. Auch dieses erweist sich als marode. Um die eingebrachten Hypotheken nicht zu verlieren, muß er die Firma übernehmen. Sie ist dennoch nicht zu retten, und Abdruschin muß sie 1901 unter Verlust liquidieren.

Ehekrise und Reise nach Kleinasien

Frühjahr 1900:
Die Ehe Abdruschins zerrüttet sich, insbesondere durch die ständige Anwesenheit der Schwiegermutter, was zu täglichen Auseinandersetzungen führt. Abdruschin will die Trennung herbeiführen, indem er seine Familie verläßt.
Ganz Gentleman will er auf diese Weise die Schuld auf sich nehmen, mit allen finanziellen Folgen, und einen Scheidungsgrund wegen „böswilligen Verlassens“ liefern. Er überläßt seiner Frau Geschäft und Besitz und begibt sich auf eine Reise nach Kleinasien (= Türkei).

1900:
Abdruschin regelt vor der Abreise seine geschäftlichen Angelegenheiten. Er unterzeichnet zwei Wechsel über je 1000 Mark zu 20 % für anstehende Geschäftsabwicklungen. Diese sind gesichert durch Warenbestand, fällige Außenstände und eine Hypothek der „Sauerbrunnen Klosterle“.
Die Wechselgläubiger fordern dennoch weitere Sicherheiten. Abdruschin verpfändet wertvolle Möbelstücke, die seine Frau als Hochzeitsgeschenk ihrer Mutter mit in die Ehe gebracht hatte.

1900:
Der deutsche Generalkonsul in Konstantinopel (= Istanbul) verschafft ihm einen Paß für die türkischen Staaten. Das osmanische Reich erstreckte sich damals bis Bagdad, Jerusalem und Kairo.
Über diese Reise will Abdruschin ein Buch schreiben, da er beruflich vom Kaufmann zum Schriftsteller wechseln möchte.

Die Dresdener Prozesse und Haft

04.12.1901 und 02.02.1902:
Dresdener Prozesse. Abdruschin wird unschuldig zu insgesamt 13 Monaten Haft wegen Betrugs verurteilt und sitzt die Strafe an einem Stück ab.

Vorgeschichte der Prozesse

Auf der Rückreise aus Kleinasien wird Abdruschin in Izmir (= das antike Ephesus) infolge einer Pest-Quarantäne festgehalten. Inzwischen werden die beiden Wechsel fällig. Außenstände gehen nicht ein, die Firma „Sauerbrunnen Klosterle“ geht in Konkurs, und die Hypothek geht verloren.

Die sehr vermögende Schwiegermutter erklärt die verpfändeten Möbel zu ihrem Eigentum, um die Wechselgläubiger zum Warten zu bewegen, anstatt selbst die 2000 Mark vorzustrecken. Um jedoch an die um ein Vielfaches wertvolleren Möbel zu gelangen, erstatten die beiden Wechselgläubiger Anzeige wegen Betrugs.
Abdruschins Frau hält zu ihrer Mutter und klärt den Sachverhalt nicht auf. Der Staatsanwalt erlässt Haftbefehl, da sich Abdruschin im Ausland befindet. Bei seiner Rückkehr wird er an der deutschen Grenze verhaftet.

Abdruschin nimmt an, die Schwiegermutter habe unter Eid falsch ausgesagt. Um sie nicht des Meineides schuldig werden zu lassen und weil seine Frau sehr an ihrer Mutter hängt, nimmt er alles auf sich.
Verurteilung zu fünf Monaten Haft durch das Dresdener Landgericht.

Die zweite Anzeige wird getrennt verhandelt. Aufgrund der bereits bestehenden „Vorstrafe“ erfolgt am 02.02.1902 ein weiteres Urteil über acht Monate Haft. Eine unerhörte Rechtsbeugung, da weder von zwei getrennten Fällen noch von einer Vorstrafe gesprochen werden kann.

Diese Angelegenheit wird später von Gegnern häufig als „Beweis“ betrügerischer Absichten herangezogen.

04.12.1901 und 02.02.1902: Dresdener Prozesse: Abdruschin wird unschuldig zu 13 Monate Haft wegen Betrugs verurteilt und sitzt die Strafe an einem Stück ab.

Nachdem seine Frau Martha die Schlammschlachten der Feinde ihres Mannes miterleben mußte, sieht sie ein, was sie durch ihren Fehler angerichtet hat. Um wieder wenigstens ein bisschen gutzumachen, gibt sie am 29. Oktober 1951 folgende notarielle beglaubigte Erklärung ab:

Erklärung.

Ich, Frau Martha Bernhardt geb. Oeser bin geb. am 21.12. 71 in Dresden und z.Zt. wohnhaft in Wackersberg-Bach 135 Post: Bad Tölz. Ich war mit Herrn Oskar Ernst Bernhardt, der am 6. Dez. 1941 verstarb, von 1897-1924 verheiratet. Die Ehe wurde geschieden. Ich bin im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte. Folgende Tatsachen sind mir aus eigener Kenntnis bekannt:
Im Jahre 1900 benotigte Herr Bernhardt, der damals ein eigenes, gutgehendes Geschäft besaß, für dieses Geschäft zur Durchführung eines günstigen Einkaufs zweitausend Mark, welche er selbst nicht aufbringen konnte, weil sein eigenes Geld zu diesem Zeitpunkt in Waren festgelegt war.
Im Hinblick auf den Wert des vorhandenen eigenen Warenlagers der den Wert des Darlehens weit überstieg, hatte Herr Bernhardt keine Bedenken, für die eigene, nur als Überbrückung gedachte Darlehensschuld von zweitausend Mark zwei Wechsel zu geben. Die Wechsel lauteten über je eintausendzweihundert Mark und enthielten die Zinsen mit.
Die beiden Kreditgeber veranlassten darüberhinaus Herrn Bernhardt, ihnen noch wertvolle Möbelstücke als Sicherheit zu verpfänden bzw. zu übereignen. Diese Möbelstücke hatte ich bei meiner Verheiratung mit Herrn Bernhardt von meiner Mutter Frau Auguste Hamann, geb. Rosenkranz geb. am 16.08.1846 in Pulsnitz, damals wohnhaft in Dresden, als Aussteuer erhalten und in die Ehe eingebracht. Wir hatten keine Gütertrennung vereinbart. Mein Mann, Herr Bernhardt, war also befugt, über die Möbel zu verfügen. Er glaubte dies um so ruhiger tun zu können, als er annehmen musste, das die gegebene Sicherung bei den vorhandenen eigenen Außenständen nicht in Anspruch genommen würde. Im Verfolg seiner damals beginnenden schriftstellerischen Tätigkeit trat Herr Bernhardt bald darauf eine größere Auslandsreise an. Er regelte zuvor seine geschäftlichen Angelegenheiten und machte seine Angehörigen ausdrücklich auf die Fälligkeit der beiden noch laufenden Wechsel aufmerksam, sowie auf die Hereinholung seiner reichlichen Außenstände.
Unvorhergesehenerweise bezahlten nun einige Kunden von Herrn Bernhardt ihre Schulden so schleppend, dass die Wechsel bei Fälligkeit nicht eingelöst werden konnten. Die beiden Wechselgläubiger nahmen darauf die Möbel in Anspruch. Meine Mutter schritt nun zur Intervention bei Gericht mit der Behauptung, die Möbel seien ihr Eigentum. Meine Mutter selbst dachte nur daran, die Möbel zu retten, ohne sich beraten zu lassen, dass genug andere Möglichkeiten bestanden. Denn sie hätte die Wechsel ohne Schwierigkeiten kurzer Hand aus ihrem eigenen Vermögen einlösen können.
Stattdessen wählte sie von anderer Seite falsch beraten den Weg der unwahren Behauptung, dass die Möbel ihr gehörten. Sie benutzte dazu die Einkaufsrechnungen für diese Möbel, die auf ihren Namen lauteten. Sie verschwieg, dass sie diese Möbel mir als ihrer Tochter mit in die Ehe gegeben hat, also mir geschenkt hatte. lhr Plan, die Wechselgläubiger dadurch bis zur Rückkehr des Herrn Bernhardt und der Schuldenregelung durch ihn selbst hinhalten zu können, misslang. Aufgrund der Angabe meiner Mutter leitete die Staatsanwaltschaft Dresden gegen Herrn Bernhardt sofort das Verfahren wegen Betrugs ein und erließ Haftbefehl gegen ihn, weil er sich auf Reisen befand. Als Herr Bernhardt von seiner Reise zurückkehrte, wurde er sofort an der Grenze verhaftet. Da er die Gründe, weshalb meine Mutter die falsche Angabe im Zivilprozess gemacht hatte, nicht kannte, schwieg Herr Bernhardt bei seinen Vernehmungen und ließ sich verurteilen, um meine Mutter zu schonen, von der er vermuten konnte und musste, dass sie sich durch unwahre Angaben strafbar gemacht haben könnte.
So wurde Herr Bernhardt zu Gefängnisstrafe verurteilt, nur weil er meine Mutter vor einer Bestrafung hätte retten wollen. Herr Bernhardt ließ die Dinge stillschweigend auf sich beruhen, auch als er die Strafe verbüßt hatte. Er bezahlte nach seiner Haftentlassung die Wechselschulden in kürzester Zeit, ohne jemals in dieser Sache an meine Mutter heranzutreten. Ich sehe, welche Folgen die Verurteilung heute noch für das Lebenswerk des Herrn Bernhardt – lange nach seinem Tode – hat, nachdem Übelwollenende versuchen, ihn daraus der Begehung von „Verbrechen“ zu verdächtigen, um seine Persönlichkeit herabzusetzen. Es drängt mich deshalb, hiermit zu bekunden, dass Herr Bernhardt nur aus selbstlosem Edelmut die Strafe auf sich nahm, um meine Mutter nicht belasten zu müssen.
lrgendwelche persönlichen oder materiellen Rechte an den Werken meines ehemaligen Mannes habe ich nicht! Ich gebe dieses Zeugnis ab aus eigener Kenntnis der geschilderten Vorgänge und Verhältnisse. Es enthält die Tatsachen so, wie ich sie miterlebt habe, in voller Wahrheit.
Ich gebe es ab in voller Freiheit und frei von jedem Zwang außer dem meines Gewissens, das mich treibt, die Wahrheit über die Strafe des Herrn Bernhardt vor der Öffentlichkeit zu bekunden.
Ich bin ausdrücklich damit einverstanden, dass diese meine Erklärung auch Behörden vorgelegt und jederzeit der Öffentlichkeit übergeben werden darf. Ich lege dieselben zur freien Verfügung in die Hände von Frau Maria Bernhardt, geb. 17.8.1887 wohnhaft z.Zt. in Vomperberg Post Vomp bei Schwaz in Tirol, und deren eventuellen Erben. Ich bin auch bereit diese Erklärung an Eides statt zu wiederholen!

Bad Tölz, den 29. Oktober 1951
( Unterschrift)
(Martha Bernhardt) Nr. 1443.
Die Echtheit der vorstehenden, vor mir vollzogenen Unterschrift der Frau Martha Bernhardt, Schriftstellerswitwe in Wackersberg-Bach 135, ausgewiesen zur Person durch Vorlage ihres Deutschen Reisepasses Nr. 299 des Landratsamtes Bad Tolz, ausgestellt am 17. Mai 1951, beglaubige ich hiermit. Bad Tölz Oktober 1951
(Unterschrift)
(Dr. Langecker)
amtlich bestellter Vertreter des Notars
Dr. Carl Lacherbauer
(Kostenrechnung 4, 16 Mark usw.)

Berufliche Neuorientierung und Schriftstellerei

1903:
Abdruschin arbeitet als Buchhalter (Buchprüfungen), zuletzt bei der Firma „Fabian, Selterswasserfabrik“. Gegen Ende des Jahres tritt er in Zürich als verantwortlicher Buchhalter in das Architekturbüro „Stotz & Held“ ein.
Er verzieht mit seiner Familie nach Zürich, Aegertenstraße 10. Nebenbei arbeitet er weiter als Schriftsteller und veröffentlicht Reiseberichte in Tageszeitungen.

18.11.1903:
Herbert Vollmann, später Schwiegersohn Abdruschins, wird in Altena bei Lüdenscheid geboren.

Nach 1903 gehört Abdruschin dem Verband deutscher Bühnenschriftsteller an.

Unternehmungen in der Schweiz

April 1905:
Abdruschin tritt gegen Kaution in das Orient-Import-Geschäft „Merkur-AG“ in Bern ein und übernimmt die Direktorenstelle. Im Februar 1906 verlässt er das Unternehmen.

Juli 1906:
Beteiligung an der Gründung der „Orientwaren & Importhaus Neptun“ AG. Bereits im Dezember wird Abdruschin aus der Gesellschaft gedrängt. Im Mai 1907 erfolgt der Konkurs, wodurch sein Kapital verloren geht.

1906:
Veröffentlichung des ersten Buches „Aus fernen Landen“ (Reisebeschreibungen).

Familie und literarischer Durchbruch

29.05.1907:
Tochter Edith wird in Bern geboren.

1907:
Abdruschin erkrankt an einer schweren Brustfellentzündung. Auf ärztlichen Rat verzieht er nach Mainz. Ein Jahr später wohnt er in der Taunusstraße 33 am Rhein.
Er reist viel und ist in Mainz ein bekannter und anerkannter Schriftsteller.

17.09.1907:
Maria heiratet Karl Philipp August Freyer aus Kötzschenbroda. Aus der Ehe gehen Irmingard, Alexander und Elisabeth hervor.

Literarisches Werk (Auswahl bis 1922)

Abdruschins literarisches Werk:

Abdruschin will nach seiner Schulausbildung auf die Universität gehen, Theologie studieren und dann evangelischer Seelsorger werden. Das entspricht seiner großen Liebe zu den Menschen am besten. Doch seine Mutter lehnt dieses Ansinnen strikt ab. Abdruschin wird auf ihren Wunsch hin Kaufmann, was er durchaus nicht ungern macht. Dieser Beruf bringt ihm zudem einen großen Vorteil: Er lernt das Leben ausgiebig und in allen Spielarten kennen. Später ist ihm aufgrund eigener, intensiver Erfahrung nichts mehr fremd, was den Menschen in seinem Leben so alles bewegt. Dazu kommen die vielen, weiten Reisen, die ihn zu einem welterfahrenen Mann machten, gemäß dem Goethe-Wort: „Reisen bildet den intelligenten Menschen“.
Abdruschin fängt mit 25 Jahren an zu Schriftstellern und wird schließlich ein bekannter Bühnenautor mit großem Renommee und beachtlichem finanziellen Erfolg. Auf diese Weise lernt er das Handwerk des Bücherschreibens von der Pike auf bis zur Perfektion. Zudem wird er als Autor von Reisebeschreibungen dazu geschult, den Alltag der Menschen genau zu beobachten und mit seinen großen und kleinen Sorgen, aber auch seinen großen und kleinen Freuden zu ergründen und zu verstehen. Abdruschin ist gerne Kaufmann. Nachdem er jedoch diesen Beruf aufgegeben und sich der Schriftstellerei zugewandt hat, erwacht in ihm ein ungeheurer Schaffensdrang.
Er schreibt umfangreiche Reiserzählungen. Es folgen Novellen und Romane. Und er schreibt Schauspiele. Das Theater scheint ihm als unmittelbarer Spiegel menschlichen Lebens und Handelns am meisten zuzusagen. Denn er will dem Menschen aus dessen selbst verursachter inneren Not heraushelfen. Dieser Anspruch ist bei ihm aus der Liebe geboren, die das Leid der anderen heilen will. Und so liegt ihm die Besserung des Menschen am Herzen. Sein Heilmittel für die Wunden der Welt ist die Erklärung der menschlichen Irrtümer. Und damit die Besserung der Welt von Grund auf, weil das Falsche des Menschen die „letzte = erste Ursache“ allen irdischen Übels ist. Deren Erkenntnis sich jeder Mensch aber selbst erarbeiten muss. Um hierfür eine liebevolle Hilfestellung zu geben, scheint Abdruschin auf der Bühne das Miterleben-Lassen des Zuschauers der menschlichen Fehlentwicklungen das geeignete Mittel zu sein. Der „mit-leidende“ Zuschauer kann am besten aus eigener Erfahrung und eigenem Erleben heraus zur Erkenntnis seiner eigenen Irrtümer kommen. Wie in der Goetheischen Katharsis von „lphigenie auf Tauris“. Deshalb sagt ihm das Theater sehr zu, und deshalb gibt er in seinen Stacken ausgefeilte Regie­ Anweisungen, die die Erlebnisfähigkeit des Zuschauers noch weiter steigern, deren perfekte Durchführung aber erst mit den Mitteln des modernen Films gelingen wird (Trick; weitere Steigerung durch Computer-Animation). Seine Arbeit trägt nicht nur literarische Früchte in Form eines wachsenden Renommees als Buch- und Bühnenautor, sondern auch wirtschaftliche. Die Jahre in Mainz bescheren ihm Uraufführungen einiger seiner Werke am dortigen Stadttheater, wie auch in anderen Städten. Dazu gesellt sich eine rege Vortragstätigkeit, verbunden mit ausgedehnten Reisen. Was die finanziell günstige Entwicklung weiter voranbringt.

17.09.1907: Frau Maria heiratet den Kaufmann Karl Philipp August Freyer aus Kotzschenbroda. Aus dieser Ehe gehen ihre drei Kinder Irmingard, Alexander und Elisabeth hervor.

Abdruschins wichtigste Werke zu dieser Zeit:

1906:

  • Aus fernen Landen – Reiseerlebnisse und Erzählungen, Band I, II

    1908:
  • Die Armspange; Anita: Zwei Novellen
  • Unter fremden Voelkern: Roman
  • Soll und Haben: Drama

    1909:
  • Die Bajadere: Drama
  • Des Harems Perle: Roman
  • Der Haremsfürst oder das Geheimnis der Mädchenhändler: Roman
  • Der indische Fakir: Drama
  • Salonbriganten: Drama
  • Sin patria (Der Heimatlose): Schauspiel in vier Aufzügen Preisgekrönt. Roman
  • Rhada: Novelle

    1911:
  • Der Deserteur: Drama.
  • In Zusammenarbeit mit Cl. Schott, Im Banne der Fakire: Roman
  • Der Preisgekroente: Farce.
  • Schwank, unter schwerem Verdacht: Roman

    1913:
  • Freiwild: Schauspiel

    1917:
  • Erdenbann: Lustspiel

    1918:
  • Der Abenteurer: Schauspiel
  • Narrengold: Lustspiel

    1919:
  • Die indische Vestalin: Schauspiel
  • Verfemt: Schauspiel

    1920:
  • Der flammende Stern: Schauspiel
  • Der Skorpion: Schauspiel
  • Das Tai des Unsichtbaren: Filmschauspiel = Der verlorene Weg Film-Romane: Lady Hamilton (nach Alexandre Dumas, Vater); Die Bruder Karamasow, Raskolnikow, Schuld und Suhne (nach Dostojewskij);

    1921:
  • Dämon Phantasie: Schaupiel

    1922:
  • Diamanten: Buehnen-Mauskript
  • Erdenbann: (Drucklegung in Buchform)

    Abdruschin schreibt nicht nur unter seinem bürgerlichen Namen Oskar Ernst Bernhardt. Er benützt auch Pseudonyme wie Kurt Valkenau, Braunfels, 0. Sund.)


1908: Abdruschin gibt als Nächstes ein umfangreiches Buch mit Reiseerzählungen in Romanform heraus.

07.09.1908: lrmingard Bernhardt, geborene Freyer, wird in Kötzschenbroda (heute Radebeul, ein Vorort von Dresden) geboren. Sie wird spater Verlagslektorin. Mit dieser Ausbildung ist sie dazu prädestiniert, Abdruschin beim Schreiben seiner Gralsbotschaft zu unterstützen.

November 1909: Abdruschin verzieht nach Kassel. Ursprünglich will er nach Berlin, in das Mekka der deutschen Literate, ziehen.

Ein Baron de Firks (vermutlich ein Nachkomme von niederländischen Emigranten, wie beispielsweise auch die Goldschmiedefamilie Fabergés), ein Russe, gründete in Bern, wo ich damals wohnte, eine Aktiengesellschaft und veranlaßte mich seinerzeit, mich mit 5000 Franken daran zu beteiligen und im Anfang die Gesellschaft zu vertreten. Er versprach mir gute Einnahmen: as Ich schenkte seinen Angaben guten Glauben, da ich ihn für sehr tüchtig hielt und auch für zuverlässig. Sein Onkel war seinerzeit Minister in Rußland. Er hatte mich vorher schon bewegen wollen, bei der Gründung von Zigaretten-Fabriken in Rußland mich als Direktor zu verpflichten, was seiner Meinung nach nur eine Formsache sein sollte: Ich sollte nur den Namen dazu hergeben, da das Geld durch seinen Onkel vorhanden wäre, der sich still daran beteiligen wollte, weil später Monopol kommen würde, wobei das russische Reich die Fabriken aufkaufen müßte.

Dieses Drängen lehnte ich aber entschieden ab, da ich für solche Dinge kein Interesse hatte. Es hätte mich aber warnen sollen, vorsichtiger zu sein. Ich vertraute ihm jedoch, weil ich ihn schon seit mehr als einem Jahr kannte und er fast täglich in meiner Wohnung verkehrte.

Seinen Angaben ohne Bedenken glaubend, veranlaßte ich eine Bank in Zürich, für mich die 5000 Franken einzuzahlen, was diese auch tat und gerichtlich bestätigt hat. Heute entsinne ich mich, daß ich die Eröffnungsbilanz nach den Angaben des Barons geschrieben habe und nach einigen Monaten dann zurücktrat, wieder auf Veranlassung des Barons hin, dessen Wirken ich heute in einem ganz anderen Licht sehe.

Damals vertraute ich ihm voll. Ich hatte mir eine schwere Brustfellentzündung zugezogen und sollte auf Anraten des Arztes in ein milderes Klima für einige Zeit. Er schlug Korfu vor. Das war mir jedoch zu kostspielig und ich reiste für einige Wochen an den Rhein, nach Mainz.

Da ich bereits als freier Schriftsteller arbeitete und mein im ersten Weltkrieg gefallener Sohn das Alter erreicht hatte, das Gymnasium zu besuchen, entschloß ich mich in Mainz, wo es mir gut gefiel und das Gymnasium einen guten Ruf hatte, eine Wohnung zu suchen, um die Familie nachkommen zu lassen.

Ich fuhr nach sechs Wochen noch einmal nach Bern zurück und wurde dort verhaftet, aber nach einigen Tagen wieder entlassen. Ich fuhr nach Mainz zurück, wo ich ja selbst schon wohnte und arbeitete und ließ dann später auch die Familie nachkommen. Einmal noch gab ich auf Aufforderung hin bei einem Polizeikommissar in Mainz eine Erklärung ab über die 5000 Franken, die die Schweizer Bank für mich eingezahlt hatte, soweit ich diese Erklärung geben konnte, und erhielt dann viel später eine Aufforderung (1909 im neuen Wohnort Kassel), bei der Verhandlung zu erscheinen. Da ich der ganzen Sache keinen besonderen Wert beimaß, nahm ich weder einen Anwalt noch reiste ich zu dem angegebenen Termin. Die vorausgegangene, wenn auch kurze Verhaftung bei meiner ersten Reise hatte kein besonderes Vertrauen zu der Gerichtsbarkeit erweckt. Ich war auch gerade dabei, einen Roman zu schreiben, zu dem ich bereits vertraglich verpflichtet war.
Möglich, daß bei meiner Abwesenheit der Baron damals alles auf mich abgewälzt hat, soweit er konnte, vielleicht in dem Glauben, daß es mir nicht weiter schaden kann. Wenn er jedoch wirklich keine reinen Absichten gehabt haben sollte, dann hatte er wohl auch alles dazu sorgfältig vorbereitet, denn ich überließ mich seinerzeit vielleicht allzu willig seinen Anleitungen und Angaben, die aber in kaufmännischer Beziehung korrekt waren, soweit ich es überschauen konnte, und irgendeine Fälschung ist vollkommen ausgeschlossen.
Anderes vermochte ich nicht zu beurteilen. Dazu kam jedenfalls noch, daß ich als „vorbestraft“ galt und daß deshalb von vestherein alles entsprechend ausgelegt wird, denn diese erste Angelegenheit verfolgt mich ja schon seit nahezu 35 Jahren und es wird von Neidern oder solchen, die irgendwelche Vorteile für sich erzwingen wollen oder sich an mir zu ärgern wähnen, nur zu gern angewendet.

Soweit meine Erinnerungen.

Abdruschin

Dazu kam noch, daß der Baron de Firks einen Wechsel mit der Unterschrift Abdruschins fälschte, und dann platzen ließ, was diesem ebenfalls zur Last gelegt wurde. Wegen der persönlichen Beschmutzung Abdruschins aufgrund des Berner Prozesses wäre es am sinnvollsten gewesen, eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu veranlassen. Das ging aber nicht, da die Beteiligten inzwischen verstorben waren. Deshalb wurde 1960 ein Professor der Rechtswissenschaft an der Berner Universität, Dr. Max Waiblinger, beauftragt, ein Gutachten über das damalige Schwurgerichtsverfahren abzugeben. Er war einer der wenigen Kenner des alten bernischen Rechts.
Bei sorgfältiger Würdigung des gesamten, in den Akten niedergelegten Tatsachen- und Beweismaterials gelangte der Begutachter zu dem Schluß, daß Abdruschins in allen Punkten der Anklage nicht schuldig war. Abd-ru-shin, der des Betruges angeklagt gewesen ist, war selbst ein Opfer von Betrügereien.
Dieses Gutachten wurde als beglaubigte Kopie den Akten zum Prozeß im Berner Staatsarchiv hinzugefügt und das gesamte Material verschlossen und plombiert. Infolge dieses Gutachtens hörte die Polemik in der Sache auf, und in der einschlägigen Literatur wird auf diese Prozesse nicht mehr Bezug genommen.

24.07.1911: Herr Alexander Bernhardt, geborener Freyer, wird in Kötzschenbroda (heute Radebeul, ein Vorort von Dresden) geboren.

April 1912: Abdruschin verzieht nach Regensburg, wo die Schwester seiner Frau wohnt, zu der gute Beziehungen bestehen. Im September 1912 kommen Frau und Kinder nach.

Noch 1912: Abdruschin in New-York Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit wird er bei einer Arbeitsgemeinschaft von Anwälten namens „Styx“ tätig, die sich um die Resozialisierung von Verbrechern bemüht.

20.07.1912: Elisabeth (Elisabeth-Maria, „Marlies“) Bernhardt, geborene Freyer, wird in Kötzschenbroda (heute Radebeul, ein Vorort von Dresden) geboren. Sie heiratet später auf dem Vomperberg Herbert Vollmann.

1913: Abdruschin reist nach London.

1915: Abdruschin wird als Deutscher von der „special police“ verhaftet. Er wird auf die „Isle of Man“ (in der irischen See zwischen England und Irland) in das Internierungslager „Camp Knockaloe“ bei Peel geschafft.

1917: Abdruschins Mutter Therese stirbt in Döbeln/Sachsen.

1918: Abd-ru-shins Sohn Herbert fällt wenige Wochen vor Kriegsende in Frankreich (11.11.1918 Waffenstillstand).

13.03.1918: August Freyer, der Mann von Frau Maria, stirbt im Kriegslazarett in Charleroi, Belgien. Frau Maria ist nun Kriegswitwe und will in ihrer Wohnung ein möbliertes Zimmer vermieten, um etwas Geld zu verdienen. Mieter wird der sich gerade von seiner Frau getrennt habende Oskar Ernst Bernhardt. So lernen Abd-ru-shin und Frau Maria sich kennen. Abd-ru-shin heiratet später, nach seiner Scheidung 1924, Frau Maria. Er adoptiert ihre drei Kinder, sodaß Irmingard, Alexander und Elisabeth nunmehr ebenfalls „Bernhardt mit Nachnamen heißen.

1919: Abdruschin kann das Camp verlassen und kehrt nach Deutschland zurück, nachdem am 18.06.1919 der sog. „Friedensvertrag“ von Versailles geschlossen wird. Abd-ru-shins Frau verzieht mit der Tochter nach Dresden. Abdruschin findet sie schließlich dort. Die schlimmen Erlebnisse des Ersten Weltkrieges sowie die 7 Jahre Trennung haben eine Entfremdung zwischen den beiden bewirkt, die nicht mehr zu überbrücken geht. Sie trennen sich.

1920: Abdruschin gründet den „Kristall“, einen Verlag und Vertrieb für Bühnenwerke.

1922: stellt der Kristall seine Tätigkeit ein.

1921: Abdruschin gründet eine Gemeinschaft Gleichgesinnter und nennt sie „Orden: Der Gral“. Ziel ist die Veredelung des Menschentums durch Arbeit an sich selbst. Von Okkultisten und Mystikern grenzt er sich scharf ab. Abd-ru-shin will einen „Hort des Friedens“ gründen.
Kötzschenbroda erscheint ihm dafür ungeeignet. Er begibt sich auf die Suche in Oberbayern und wohnt Ende Juli 1923: Peißenberg.

Woher stammt der Name „Abd-ru-shin“?
Abd-ru-shin hat früher schon einmal auf der Erde gelebt. Als persischer Fürstensohn wanderte er mit der Hälfte seines Stammes in das Land südlich von Ägypten an die Quellen des Nils aus und gründete mit den dort ansässigen Arabern ein Grals-Reich. Dort führte er bereits den Namen „Abd-ru-shin“, den er in diesem Leben wieder übernommen hat. Da er in jener Zeit mit den Pharaonen Sethos I. (regierte von 1290 bis 1279 v. Chr.) und Ramses II. dem Großen (dem „Moses – Ramses* der Bibel, 1304 bis 1213 v. Chr.) aus der 19. Dynastie Kontakt hatte, läßt sich seine damalige Inkarnierung ziemlich genau datieren: Etwa von 1315 bis 1275 vor Christus. Der Name „Abd-ru-shin“ setzt sich aus arabischen und persischen Wortelementen zusammensetzen und bedeutet in der damaligen Sprache „Sohn des Lichtes“. Und wie ist es heute? „Abd“ ist tatsächlich arabisches Wort und bedeutet heute „Sklave“. „Sohn des Lichts“ heißt im heutigen Arabisch „Ibn (oder „Ebin“, je nach Dialekt) al Daw“. Und „roshan“ ist auch heute noch ein persisches Wort, allerdings für „Helligkeit“. Für „Licht“ sagt man im heutigen Persien „nur“. Sohn des Lichts heißt im heutigen Persisch „farsandé nur“.

Schreibweise: Die Schreibweise seines Namens hat Abdruschin mehrfach variiert. Das hängt damit zusammen, daß ihm sein Name von seinem Schutzengel nicht einfach geschenkt oder inspiriert wurde. Sondern er mußte ihn für sich selbst entwickeln. ihn selbst entdecken. Ihn leben. Immer wieder mit der Empfindung überprüfen, ob der Name mit dem Träger auch übereinstimmt. Solange ändern, bis er „paßte“. Analog zu seinen eigenen Worten aus der Gralsbotschaft: „Den Weg zum Licht muß jeder einzelne in sich erleben, er muß ihn selbst entdecken, wenn er sicher darauf wandeln will. Nur was der Mensch in sich erlebt, mit allen Wandlungen empfindet, hat er voll erfaßt! (GB I, 5, 7).“ Durch diese Mühe aber steht nun der Name „Abd-ru-shin“ auch unerschütterlich fest verankert, so daß er von niemandem mehr bezweifelt oder vernichtet werden kann. Aus dem gleichen Grund wurde ja Abd-ru-shin auch nicht sofort auf den Vomperberg geführt. Nein, er mußte ernsthaft suchen, welche Stätte auf der Erde wohl für sein Anliegen am meisten geeignet sei. Er mußte immer wieder heiß und innig darum ringen. Nur so erklären sich die vielen Ortswechsel vor dem endgültigen Niederlassen auf dem Vomperberg: Abd-ru-shin mußte sich um den geeigneten Ort bemühen. Einen Ort auswählen, dann dort Wohnung nehmen. Und dabei die vielen großen und kleinen Mühen eines Umzuges auf sich nehmen. Dabei unter dem unverständigen Gemurre und blöden Kommentaren seiner nichtswissenden Umgebung leiden, tiefe Herzensstiche hinnehmen. Um dann nach einer kurzen Weile frustriert festzustellen, daß er doch noch nicht den rechten Ort für die Verwirklichung seines Vorhabens gefunden hat. Also das ganze Spielchen nochmals von vorn: Neues Suchen, Auswählen, Hinziehen, erneuter Frust. Das Finden des Vomperberges muß ihm am Schluß wie eine große Erlösung vorgekommen sein. Aber nur auf diese Weise war es möglich, in Abd-ru-shin die Überzeugung von der Richtigkeit seiner Wahl des Vomperberges zu überzeugen. Diese Überzeugung ist nun so tief in ihm verwurzelt, selbstgeschaffen, selbst und mühevoll erworben, daß sie von keinem mehr angezweifelt werden kann. Keiner von diesen widerlichen, dabei äußerst dummen Menschen, insbesondere auch unter seinen Anhängern, ist nunmehr mit seinem albernen, aus purer Eitelkeit geborenen Gelaber mehr in der Lage, den Vomperberg als die Stätte Abd-ru-shins anzuzweifeln, geschweige denn zu zerreden.

Sprechweise: Heutzutage wird der Name Abd-ru-shin so ausgesprochen, daß die letzte Silbe betont wird. Das „i“ in „shin“ wird also stimmlich gehoben, dabei gedehnt, und betont. Zu seinen Lebzeiten war das anders. Seine Zeitgenossen um ihn herum auf dem Vomperberg haben den Namen „Abd-ru-shin“ wie „Abdruschin“ ausgesprochen. Zusammenhängend. Die Betonung wurde auf das „A“ gelegt, dabei aber wurde dieser Vokal nicht gedehnt, sonder kurz gelassen. Genau wie beim griechischen Versmaß des Dáktylos im Hexameter.

September 1923: Penzberg.

Frühjahr 1924: Er werb eines Landhauses in Bad Heilbrunn/Oberenzenau. Hier will er im Sinne des Ordens ein „Lebensmodell“ schaffen. Ordensmitglieder wohnen bei ihm. Frau Maria kommt mit den Kindern aus Kötzschenbroda nach. Sie arbeitet unter anderem als staatlich konzessionierte Magnetopathin. Abd-ru-shin verfaßt hier die ersten Vorträge seiner Gralsbotschaft. Er verbreitet sie durch die Herausgabe der „Gralsblätter“. Abd-ru-shins Tochter Edith wird Gralsanhängerin und heiratet einen Kunsthandwerker aus dem Heilbrunner Kreis. 1925 Abd-ru-shin wird ein Enkel geboren.

1924: Die Ehe zwischen Abd-ru-shin und seiner Frau Martha wird geschieden. Zeitlebens bleibt jedoch ein freundschaftliches Verhältnis bestehen. Abd-ru-shin und Frau Maria heiraten am 17.09.1927.

März 1926: Abd-ru-shin hat seinen „besonderen Ort“ noch nicht gefunden. Er übersiedelt nach Imst/Tirol.

September 1926: Abd-ru-shin übersiedelt ins „Buchenhaus“ in Tutzing am Starnberger See in Oberbayern.

Herbst 1926: Abdruschins „Verlag der Gralsblätter“ in Tutzing /Oberbayern gibt ein Prospektblatt heraus, um für die violette Ausgabe der 320-seitigen Gralsbotschaft zu werben.

Dreißigtausend Einzelhefte gratis zum Versand!

Zur Probe als Vorläufer des Aufsehen erregenden Buches

IM LICHTE DER WAHRHEIT
neue Gralsbotschaft
von Abdruschin

Herausgegeben durch den Verlag der Gralsblätter Oskar Ernst Bernhardt in Tutzing (Oberbayern)
(Text, auszugsweise:)

„Diese Gralsbotschaft gibt den lückenlosen Grundstein einer überraschenden und in ihrer einfachen und klaren Art eine jedem Menschen verständliche neue Weltanschauung! Sie ist bei der erstaunlichen Kürze der Universalschlüssel aller bisher ungelösten Welträtsel und offenen Menschheitsfragen, sowie zu dem Verstehen alles Geschehens. Freudig begrüßt von Hunderttausenden, geht diese Lehre bereits wie eine zündende Flamme durch die Menge der ernsthaft Suchenden, befreiend von allem Zweifel und allem dogmatischen Ballast, weil auch der skeptischste Verstand die unbedingte Folgerichtigkeit erkennt, die vor keiner ungelösten Frage halt macht und mit sicherer Hand in die Tiefen wie zu den höchsten Höhen führt. Sachlich, knapp und klar, mit unerbittlicher Logik. Es wird dabei so manches gesagt, das den Menschen von eingebildeten Höhen reißt, aber auch vieles, das ihm gesunden Aufschwung gibt in der erwachenden Überzeugung seiner unbedingten Notwendigkeit in der gewaltigen Schöpfung. Sein Ursprung wird ihm dabei klar enthüllt wie auch sein Endziel, das so viele nur durch eigenes Versagen aus dem Nichtwissen heraus niemals erreichen können. Briefe der Begeisterung und jubelnder Dankbarkeit kommen von solchen, die das lebendige Wort erfaßte und ihnen den Schleier von den Augen riß!“

Im Jahr 1927: Abdruschin hält öffentliche Vorträge, unter anderem in Stuttgart und Wien.

Öffentliche Vorträge von Abdruschin: Anzeige im Stuttgarter Neuen Tageblatt vom 24.9.1927, in der ein öffentlicher Vortrag von Abdruschin angekündigt wird:

„Abdruschin spricht
über
„Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Ein Umsturz in der Bibeldeutung.

Auf besonderen Wunsch wird Abdruschin nach dem Vortrag sich über die Frage der Stigmatisation von Konnersreuth äußern. Er wird hier in der ihm eigenen scharfen Logik Aufschlüsse über diese Erscheinungen bringen, die heute noch so vielen ein ungelöstes Rätsel sind.“

Über die Vorträge erscheint in Abd-ru-shins Zeitschrift „Der Ruf™ (Verlag der Gralsblätter) folgender Bericht:

„Stuttgart: Zu dem Vortrage Abdruschins am 26. September war der Saal im Hause des Deutschtums ausverkauft. Schon lange vor Beginn konnten Besucher keine Karten an der Kasse mehr erhalten. Für diese Vorträge Abdruschins ist es eine zu alltägliche Bezeichnung, wenn man von vollem Erfolg berichten wollte; denn es ist für ernste Menschen jedesmal ein nachhaltiges Erlebnis, seine Worte zu hören, die vollkommen außerhalb des Rahmens aller übrigen Redner stehen, weshalb auch niemals ein Vergleich gezogen werden kann. Noch weniger ist ein derartiger Abend mit den üblichen Ausdrücken zu schildern. Daß von Abdruschin wieder nur die höchsten Religions- und Lebensfragen in neuartigen Erklärungen behandelt wurden, ist man nunmehr gewöhnt, aber nach einem nahezu zweistündigem Vortrage schmerzt doch der Kopf, denn es bedarf der schärfsten Aufmerksamkeit, da dem Hörer kein Satz entgehen darf. Und jeder Satz bedeutet Extrakt, welcher erfaßt sein muß, wenn man mit in die höchsten Höhen menschlichen Begreifens folgen will. – Abdruschin macht es seinen Hörern nicht leicht, jedoch mit voller Absicht, wie er auf Befragen sagte, da er die Oberflächlichkeit verwirft.
Wien: Abdruschin spricht nöch einmal in Wien! In dieser schlichten Einladung wurde darauf aufmerksam gemacht, daß ernsthaft Suchende den Verkünder der neuen Gralsbotschaft am 4. und 5. Oktober in Wien hören können. Und das genügt. Über 1.800 Eintrittskarten wurden im Voraus bestellt! Der Saal war beide Abende überfüllt. Aus Steiermark, aus Oberösterreich, aus der Tschechoslowakei kamen Anhänger. Mit einzigartiger Klarheit und Deutlichkeit zeigte uns Abdruschin am ersten Abend, wohin wir steuern, wenn wir lediglich den Verstand herrschen lassen. Nur wenn wir uns frei machen von der bisher unbeschränkten Herrschaft des Verstandes – der Sünde wider den Geist – wird uns der Aufstieg möglich.
Den Höhepunkt brachte aber der zweite Abend. In atemloser Spannung lauschten die Zuhörer den wuchtigen Worten Abdruschins. Hart und scharf räumte er mit mancher Lüge auf, und damit, daß der Kreuzestod Jesu Christi sozusagen programmäßig vorgesehen war, um Gott für alle Schlechtigkeit und Sünde der Menschheit zu versöhnen, um dieser alle Mühe zu ersparen. Eine bequeme Auslegung für Heuchler und Pharisäer! Bald kommt die furchtbare Abrechnung für alle Denkfaulheit der Menschen.
Noch ist Zeit zur Einsicht, klang es verheißend! Doch der letzte Wendepunkt ist da! Es gibt nur eine Wahl. Hier der Weg zum Licht, dort den Weg zur Vernichtung. Unser freier Wille kann darin entscheiden. Mit festem Griff schleudert Abdruschin die in zwei Jahrtausenden sorgsam und mit viel Mühe errichteten Hindernisse hinweg. Er legt den Weg nach aufwärts für alle frei, die bereit sind, ihn zu gehen.
Nur langsam löste sich die Spannung, als Abdruschin geendet hatte, und aus tiefstem Herzen kommender Jubel brach sich bei vielen Bahn. Es war wieder ein Erlebnis für die Zuhörer, unter denen die Wiener alma mater (= Universität) stark vertreten war. Es dämmert doch schon hier in Wien!“

Vorträge von Jüngern Abdruschins

Von Jüngern Abdruschins werden ebenfalls Vorträge gehalten. Sie werden mit grünen Plakaten der Größe ca. 40 × 60 cm angekündigt. In der oberen Hälfte des Plakates steht ein großes, weiß umrandetes Gralskreuz im Ring. Darunter steht der Text in großer, schwarzer Schrift:

„In Zeiten der Not
sendet DER GRAL
Boten in alle Lande
bringt Hilfe der Menschheit
und Kraft zum Aufstiege“

Unter dem jeweiligen Vortragstitel aus der Gralsbotschaft stehen unter anderem die Worte:

„Nur ernste, vorurteilsfreie Menschen können den tiefen Inhalt und wahren Wert der Worte Abd-ru-shins erkennen; denn es ist vollkommene Umwälzung der Begriffe!“

Die Zeitschrift „Der Ruf“

Im Jahr 1927 gibt Abdruschin eine neue Zeitschrift heraus mit dem Titel
„Der Ruf – Schrift für alles fortschrittliche Wissen.“

In dieser Zeitschrift veröffentlicht Abd-ru-shin auch eigene Vorträge und beantwortet Fragen. Die Vorträge werden später in die Gralsbotschaft übernommen. Die beantworteten Fragen erscheinen 1953 in dem Buch
„Fragenbeantwortungen 1924 – 1937“
im Verlag Maria Bernhardt, Vomperberg, Tirol.

Vorwort zu Abdruschins neuer Zeitschrift „Der Ruf“:

„DER RUF gehe hinaus in alle Welt!

Er soll die engere Verbindung schaffen zwischen allen Anhängern und Lesern meiner Worte. Vielerorten schließen sich freie Vereinigungen zur Pflege der Gedanken meiner Vorträge zusammen, um in gemeinsamer Tätigkeit immer tiefer einzudringen in die Wahrheiten der Großen Schöpfung, um damit auch des Schöpfers Willen richtig zu erkennen. Wenn ich auch freudig die Vereinigungen grüße, so kann ich diese doch nicht führen, kann mich auch nicht daran beteiligen; denn solcherlei Bestrebungen ergeben zuletzt immer Bindungen für den, um den sie sich gruppieren. Verpflichtungen so mancher Art, sei es auch nur moralisch durch die Beiträge der Mitglieder. Derartiges vermag ich nicht. Frei muß ich sein und bleiben in dem, was ich zu sagen habe! In allen meinen Reden und Entschlüssen. Ich darf dabei nicht Rücksicht nehmen müssen auf die Wünsche einzelner oder auch ganzer Gruppen, wozu es kommen würde, wenn ich damit verbunden bin. Auch, wenn ich auf Geschäftsvorteile sehen wollte. Beides darf für mich und meine Schriften nicht mit in die Waagschale geworfen werden müssen. Doch dabei möchte ich trotzdem nicht auch in Nachlässigkeit fallen und versäumen, die Gelegenheit jedem zu verschaffen. Ich biete deshalb an, doch werbe nicht! Und werde immer bei dem Grundsatze verbleiben: Wer nichts für sich in meinen Worten findet, für den sind sie nicht gesagt. Er soll sie auch nie aufgedrängt erhalten.Ich werde daher stets mit meinen Worten eines jeden Menschen Freund und seiner Fehler Feind sein müssen, da ich nichts seinetwegen streichen kann.

Weil ich mich also nicht an die Zusammenschlüsse binden kann, doch förderndes Ergebnis davon für so manchen Einzelmenschen wohl erkenne, schuf ich aus meinem Einsamseinmüssen heraus den „Ruf‘ als Mittler zwischen allen Lesern und Verbänden, die ihre Mitteilungen und die Wünsche gegenseitig darin auszutauschen die Gelegenheit erhalten. Für diese Zwecke wird stets ein Raum kostenlos bereitgehalten sein. Möge „Der Ruf“ recht viele Seelen wecken, allen ernsthaft Suchenden Erleuchtung und damit den Frieden und den Fortschritt bringen!“

Im Sommer 1927.

Abdruschin

Persönliche Ereignisse 1927–1928

17.09.1927:
Heirat von Oskar Ernst Bernhardt und Maria Freyer.

13.02.1928:
Abdruschin übersiedelt mit Familie auf den Vomperberg bei Vomp im Inntal in Tirol, 35 km östlich von Innsbruck. Er zieht in ein Landhaus, das er zuvor gekauft hat. Es wird im Grundbuch des Bezirksgerichts Schwaz/Tirol als „Gralshöhe“ eingetragen.

Das Wirken Abdruschins auf dem Vomperberg in Tirol

Zeitraum: 13. Februar 1928 – 12. März 1938

Diese Jahre sind für Abdruschin die traurigsten und bedrückendsten. Er hat eine Vielzahl von Hindernissen und Widerwärtigkeiten über sich ergehen zu lassen, hauptsächlich veranlaßt durch abgefallene Anhänger.

Während dieser Zeit will Abdruschin das verkehrte und krankende private und öffentliche Leben der Menschen sanieren. Dazu gehört folgende Vorgehensweise:

Zunächst muß der Mensch vor seiner eigenen Türe kehren und seinen eigenen Charakter läutern. Dann erfolgt die Reinigung und Gesundung seines Umfeldes. Der Rest geschieht dann nach und nach von ganz alleine (vgl. Mt. 5, 13–16; Mt. 13, 31–35).

Der Mensch muß ganz klein, in allen Bereichen und mit allen Details, bei sich selbst anfangen. Eine „Weltverbesserung“ lehnt Abd-ru-shin strikt ab. Forderungen sind zunächst an sich selbst zu stellen, nicht an andere. Aktive „Politik“ und „Gesellschaftsveränderung“ sind nicht in seinem Sinne.

Während dieser Zeit: Abd-ru-shin will das verkehrte und krankende private und öffentliche Leben der Menschen sanieren. Dazu gehört die folgende Vorgehensweise: Zunächst muß der Mensch vor seiner eigenen Türe kehren und seinen eigenen Charakter läutern. Dann erfolgt die Reinigung und Gesundung seines Umfeldes. Der Rest geschieht dann nach und nach von ganz alleine, vgl. Mt. 5, 13-16; Mt. 13; 31-35. Der Mensch muß ganz klein in allen Bereichen und mit allen Details bei sichelbst anfangen („Weltverbesserung“ lehnt Abd-ru-shin strikt ab. Forderungen sind zunächst an sich selbst zu stellen, nicht an andere. Aktive „Politik“ und „Gesellschaftsveränderung“ sind nicht in seinem Sinne ).

Die Gralssiedlung Vomperberg

(Gemälde von Künstler Hermann Wenng)

So gibt es in dem kleinen Kreis der Gralssiedlung unter anderem:

  • ein neues Gemeinwesen als neues Gesellschaftsmodell, das auf einem „Kastensystem“ aufgebaut war, welches sich nach den ordnenden Naturgesetzen der Anziehung der Gleichart und der Schwere richtete. Die Menschen wurden in Gruppen aufgeteilt, die ihrem Wesen besser entsprachen. Dazu gab es den roten Kreis und den weißen Kreis, die nebeneinander standen und für die Entwicklung des Individuums von großem Nutzen waren. Denn Abdruschin verstand, daß Menschen erst in der Gleichart aufblühen konnten.
  • Gralsgeld als Keimzelle für ein neues, gesundes Geldwesen. Mit dem Geld konnte sich die Siedlung selbst erhalten, und die Siedlungsbewohner konnten sich alle Lebensnotwendigkeiten besorgen.
  • einen Kindergarten als Anfang zur Neugestaltung des Erziehungswesens, geleitet von Fräulein Hertha.
  • eine Gralsschule im heutigen Gästehaus mit Turnhalle, mehreren Klassenzimmern und einer kleinen Bibliothek, als Anfang zur Neugestaltung des Schulwesens, gegründet 1933.
  • das Yaspis-Laboratorium für das Gesundheitswesen. Herstellung von Tees, Yaspis-Kraftflocken (was leider wegen Abtrünnigen Kreuzträgern scheiterte) und ISRA-Armbändern, gegründet am 16.10.1933.
  • ein Gralsmuseum, in dem kostbare antike Gegenstände, wie eine goldene Buddha-Box, ausgestellt wurden (die später alle von der Gestapo enteignet wurden).
  • landwirtschaftliche Betriebe und Bauernhöfe zur Herstellung von Nahrungsmitteln wie Kartoffeln, Möhren und Getreide sowie die Anlage von Frucht- und Gemüsegärten.
  • Tierhaltung: Pferde, Hühner, Ziegen und andere Tiere wurden ebenfalls auf dem Berg gehalten.
  • eine Tischlerei, Auto- und Maschinenwerkstatt, Malatelier, Feuerwehr und anderes entstand unter Abdruschin.
  • Aufführungen von Theaterstücken, Festivitäten und Reden, die aktiv gefördert wurden.

Das Yaspis-Laboratorium

Das Yaspis-Laboratorium war eine Gründung Abdruschins und lag diesem sehr am Herzen. Zunächst war es eine einfache Kräuterstube, in der auf den einzelnen Menschen persönlich abgestimmte Kräutertees zusammengestellt wurden.
Dann kamen Kräftigungsmittel, Tinkturen, Salben, Öle usw. hinzu. Es entwickelte sich ein beachtlicher Betrieb mit kaufmännischer Organisation.

Aus den Prospekten:

„Nicht ohne Grund tragen unsere Erzeugnisse diesen Namen und ebenso nicht ohne Grund benennen wir unsere Erzeugungsstätte und unseren Vertrieb Yaspis-Laboratorium. ‚Yaspis‘ ist dem Sinne nach gleichbedeutend mit ‚dem Reinen‘, ‚dem Edlen‘! …“Yaspis-Erzeugnisse tragen in ihrem Kern nur die reinsten und edelsten Bestandteile Heilkräfte bergender Kräuter, in den sonnigsten und den rauhesten Alpengegenden, je nach ihrer Art, gewachsen und gewonnen zum Segen und zur Hilfe des Menschen. Wie der Geist, der den menschlichen Körper belebt, nur durch die Aufnahme reinster und edelster Schwingungen und Strahlungen aus dem All zur Entfaltung und Blüte und dadurch zu vollster Wirkung kommt, so kann der Körper nur zur Vollendung und Schönheit gelangen, wenn alle Mittel die zu seinem Aufbau, seiner Heilung und Pflege angewendet werden, „Rein und Edel“ sind. Geist und Körper müssen wechselseitig in Harmonie stehen. Deshalb ist es natürliches Erfordernis, daß überall da, wo Geistesaufstieg angestrebt wird, auch entsprechend auf den Körper eingewirkt werden muß, um diesen naturgesetzlich notwendigen Vorgang zu fördern.“

„Das Yaspis-Laboratorium ist eine Einrichtung, die getroffen wurde, um der geistig erwachenden Menschheit helfend zu dienen zu Wiedererlangung ihrer zerrütteten Gesundheit, zur Festigung und Erhaltung derselben. Ein gesunder und widerstandsfähiger Erdenkörper ist Vorbedingung zur Erreichung des gesteckten Zieles! Von diesem Gesichtspunkte aus sind auch alle Yaspis-Erzeugnisse zu betrachten und zu bewerten und eine solche Einstellung setzt die Anwendung derselben bei jedem einzelnen voraus. „

„Das Wohlbefinden des Menschen, seine Leistungsfähigkeit in körperlicher wie überhaupt irdischer Hinsicht, wie auch die Erfassensmöglichkeit höherer Erkenntnisse und die Aufnahmefähigkeit ebensolcher Werte sind und bleiben abhängig von der Zusammensetzung seines Blutes. Das Blut in dem Zustand der jeweiligen Eigenart des einzelnen Menschen zu erhalten oder dahin zurückzuführen, muß das Bestreben dessen sein, der einen widerstands- und aufnahmefähigen Körper sich ersehnt, durch welchen allein auch das Innenleben nach außen zur Geltung kommen kann. Die gewissenhafte Durchführung der Yaspis-Frühlingskur 1937 wirkt selbsttätig regelnd auf das Blut, wozu in der Wahl, den Mengen und der Zusammensetzung der einzelnen Hochgebirgskräuter die natürlichen Grundlagen gegeben sind.“

ISRA-Armbänder

Ein anderes Projekt waren die ISRA-Armbänder mit farbigen Glassteinen, die für jeden einzelnen Menschen persönlich von Frau Maria in ihrer feinfühligen Art zusammengestellt wurden.

Bei den bisherigen Farbverfahren wurden Lichtstrahlen durch gefärbte Gläser kranken Körperstellen zugeleitet. Dagegen sollte mit diesen Armbändern der Blutausstrahlung nachgeholfen werden.

Das Armband mußte so getragen werden, daß es mit der Blutzirkulation in Berührung kam, wozu sich am besten die nackte Haut des linken Armgelenks eignete.

Die Blutausstrahlung durchdringt und durchglüht die entsprechenden farbigen Steine und verändert sich dadurch im Weiterstrahlen derart, daß sie in dieser Veränderung aufnahmefähig wird für die Kraftstrahlungen aus dem Kosmos, die dann auf diesem Weg in das Blut eindringen können.
– Mit dem Ende der Gralssiedlung im März 1938 gab es diese Hilfe nicht mehr!

Yaspis-Kraftflocken

In den dreißiger Jahren wurde in der Schweiz eine Maschine zum Flocken von Getreidekörnern sowie Linsen, Erbsen, Früchten und getrockneten Kastanien erfunden. Der große Vorteil war, daß bei der Flockung alle Vitamine und Mineralien erhalten blieben. Abdruschin erkannte sofort die Bedeutung dieser Maschine für die Ernährung der Menschheit.

Das Projekt scheiterte am Widerstand der österreichischen Behörden sowie an zwei schweizer Jüngern, die sich einen ungerechten Profitanteil herausschneiden wollten.

Erste Feier und Grundstückserwerbe 1928

30.05.1928:
In der „Gralshöhe“, die man auch „Gralshaus“ nennt, wird die erste Gralsfeier abgehalten.

Im Jahr 1928 erwirbt Abdruschin das Grundstück und das Gebäude, auf dem heute das Gästehaus steht. Es gehört einem Bauern namens Wurm. Als dieser merkt, daß Abdruschin dieses Anwesen unbedingt haben will, verlangt und erhält er einen Preis, der um das Zehnfache über dem tatsächlichen Wert liegt. Von diesem Geld baut sich Wurm in Vomp den „Vomperhof“.

Abdruschin kauft außerdem den Weberhof auf dem Vomperberg.

Persönliche Eindrücke von Abdruschin

Abdruschin hat viel Humor. Eines Tages kommt ein Grals-Neuling auf den Vomperberg und geht in Begleitung eines Siedlungsbewohners auf dem Berg spazieren. Da kommen sie an einer Bank vorbei, auf der Abdruschin sitzt. Der Neuling fragt den Siedlungsbewohner: „Ist er das?“ Abdruschin, der diesen Satz hört, sagt lachend zu dem Neuling: „Ja, das ist er!“

Alte Gralsanhänger berichten, daß Abdruschin ein äußerst angenehmes Wesen hatte, das jeden sofort gefangen nahm und mit Sympathie erfüllte. Die Wärme, die er ausstrahlte, ließ niemanden ungerührt. Er sprach mit einer gesetzten, sanften Stimme und hatte dabei ein ruhiges und ausgeglichenes Wesen, welches ihm von Natur aus eignete und keinesfalls künstlich aufgesetzt war. Seine Mitmenschen konnten bei ihm immer auf eine höflich-korrekte Behandlung zählen. Seine Contenance verließ ihn auch in seinen bittersten Stunden nicht, wenn ihn charakterlich minderwertige Kreaturen anpöbelten und ihm Gewalt antaten.

Zeitungsbericht 1932 – Gralssiedlung Vomperberg

Auszug aus einem Artikel vom 5. November 1932 in der „Innsbrucker Neuesten Zeitung“, die in Bezug auf die Gralssache der „Hofberichterstattung“ völlig unverdächtig, sondern eher skeptisch eingestellt war:

Die Niederlassung Abdruschins auf dem Vomperberg dehnt sich immer mehr aus. Während sonst rundum fast nichts gebaut wird, ist die Bautätigkeit auf dem Vomperberg äußerst rege. Es wurden in diesem Jahr sogenannte Reihenhäuser errichtet, die erst kürzlich bezogen werden konnten. Die Anhänger wohnten zuerst in den umliegenden Bauernhöfen; als sich aber ergab, daß kein Platz mehr war, entschloß sich Abdruschin, mehrere Bauten aufzuführen.

„… Eine Wohltat ist es für die Gewerbetreibenden in Schwaz, von denen die meisten zu gleichen Teilen mit Aufträgen versorgt werden. … Man ist auch wegen eines Grundstücks in Unterhandlung, da man einen Friedhof errichten will. Die Siedlung hat sich stattlich herausgebildet, sogar eine Feuerwehr hat sich zusammengetan.
… Abdruschin ist ein Mann von über fünfzig Jahren, bescheiden, stets sauber und fein gekleidet, liebenswürdig und heiter und voller Geist. Schon am Anfang des Gesprächs schält sich sein Wesen und Charakter heraus.
… Seine Idee, wie der Menschheit zu helfen ist, weicht von allen anderen Ideen stark ab. Er sagt, er verkörpere keine Sekte, keine Freimaurerloge oder gar das Antichristentum, sondern die Bewegung sei etwas ganz Alleinstehendes. Sektiererei komme nicht in Frage. Die Lehre baue sich nach logischen Gesetzen auf. Politik und Parteien hätten heute keinen Zweck, denn es komme alles anders, als die Menschen denken. …“

Ausbau der Infrastruktur

Im Jahr 1928 wird der schmale Weg von Vomp zum Vomperberg mit Hilfe der Gemeinde und der beteiligten Bauern zur Straße ausgebaut und anschließend gemäß der Tradition von der katholischen Geistlichkeit gesegnet. Das rechte Stück von der Gabelung bis zum Vomperberg erhält den Namen „Bernhardtstraße“. Dieser entfällt bei der Errichtung des NS-Regimes 1938. Abdruschin läßt dort einen Marienbildstock aufstellen.

Anzeigen, Verleumdungen und Verfahren (1928–1930)

Schon kurz nach dem Wohnungnehmen auf dem Vomperberg werden Abdruschin und seine Frau Maria von abgefallenen Gralsanhängern mit Schmutz beworfen und wegen des Verdachts der Förderung einer gesetzlich unzulässigen Religionsgemeinschaft angezeigt. Das Verfahren wird 1930 eingestellt, da sich der Vorwurf als unzutreffend erweist.

Verdacht der Förderung einer gesetzlich unzulässigen Religionsgemeinschaft:

Auf diese Denunziation hin tritt die Staatsmacht in Aktion: Früher stand unterhalb des Weberhofes auf Pfählen eine Baracke, die unter anderem als Andachtshalle diente. Dort verstecken sich zwei Gendarmerie-Beamte an einem Sonntagvormittag, um eine Andacht zu belauschen, damit die Anschuldigungen überprüft werden können. Sie hören den Vortrag Aufstieg. Anschließend werden Abdruschin und seine Frau Maria verhaftet. Vorwurf: Betrug und Gründung einer geheimen Gesellschaft. Ein großer Prozess wird angestrengt.

Doch eine Woche später werden Abdruschin und Frau Maria wieder freigelassen. Die Anzeige stellt sich als Verleumdung und bewusste Irreführung der Behörden durch abgefallene Gralsanhänger heraus. Das Strafverfahren wird im März 1930 auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt, da sie keinen Grund zu einer weiteren Verfolgung vorliegen haben.

Das Strickmuster ist ab sofort bis zum Schluss immer das gleiche: die Masse der Menschen interessiert Abdruschins Gralsbotschaft überhaupt nicht. Nur einige wenige finden zunächst zur Gralsbotschaft, um dann anschließend Kontakt mit Abdruschin zu suchen. Sofort bilden sich bei ihnen aber Vorstellungen, wie die Gralsbotschaft irdisch in die Tat umzusetzen sei.

Wobei sie selbst in diesen Vorstellungen natürlich eine ganz wichtige Rolle spielen und besondere materielle Vorteile haben, ja sogar reich werden müssen. Anschließend kommen sie auf den Vomperberg, um Abdruschin ihre Phantasien vorzutragen und mehr oder weniger offen zu verlangen, dass er sie in die Realität umsetzt. Macht Abdruschin das dann – natürlich – nicht, sind die neuen Lebensträume geplatzt, die phantastischen Zukunfts-Illusionen zerstoben. Abdruschin ist jetzt natürlich bei ihnen unten durch, und sie geben ihm die Schuld für ihren Frust über ihre unerfüllten Wünsche (Man kennt das ja selbst aus eigener Erfahrung zu genüge: Wenn man eine neue Idee hat, wird sie zunächst verlacht. Nur wenige sind bereit, sich etwas näher damit zu befassen. Aber von diesen „Freunden“ entpuppen sich nur die wenigsten als wahre Freunde. Der große Rest, von denen die meisten versuchen, diese neue Idee skrupellos für sich selber auszunutzen, wird zu erbitterten Feinden). Daraufhin beschimpfen sie Abdruschin und versuchen, ihm zu schaden, anstatt einzusehen, dass sie sich selbst mit ihren Illusionen irren. Dass es allein ihre eigenen falschen Vorstellungen sind, welche die „Ent-Täuschungen“ herbeiführen.

Der einfachste Weg bei der anschließenden Schlammschlacht ist, ihn wegen irgendwelcher verdrehten Tatsachen oder erfundenen Vergehen bei den Behörden anzuzeigen, die daraufhin tätig werden, zum Teil tätig werden müssen. Anschließend freuen sich diese abgefallenen Gralsanhänger sehr, wenn es ihnen gelingt, Abdruschin mit ihren Aktionen zu schaden, weil sie so ihre verletzte Eitelkeit und ihre Rachsucht befriedigt sehen. Nach diesem Strickmuster muss Abdruschin in seinen letzten zwölf Erdenjahren sehr viel leiden.

1929:
Abdruschin übersiedelt seinen Verlag der Gralsblätter von Tutzing an seine Verlags-Hs GmbH Der Ruf in München. Die Gralsblätter erscheinen nur bis zum Heft 13/1929. Der Verlag gibt hauptsächlich Abdruschins Gralsbotschaft (1931) heraus. 1932/1933 folgen englische, tschechische und französische Ausgaben.

19.07.1929:
Weltenwende

August 1929:
Immer mehr Menschen kommen zu den Gralsfeiern auf den Vomperberg. Die Veranstaltungen können deshalb nicht mehr im Gralshaus stattfinden. Daher wird ein kleiner Holzbau auf Stelzen auf einer Wiese errichtet, dort, wo jetzt der neue Weberhof steht. Er fasst 120 bis 150 Personen und wird später wieder abgetragen.

Dieser Holzbau dient nicht nur als Andachtshalle, sondern auch als Versammlungsraum, zeitweise sogar als Speisesaal.

Abdruschin möchte damit bewusst demonstrieren, dass die Gottverehrung, z. B. in einer Sonntags-Andacht, primär von der seelischen Beschaffenheit der Menschen und nicht von einem geweihten Raum abhängt.

07.09.1929:
Abdruschin hält in dieser neuen Andachtshalle die erste Andacht.

29.12.1929:
Abdruschin hält in der neuen Andachtshalle die erste Gralsfeier ab.

1931:
Abdruschin ordnet seine Einzelvorträge in Buchform zu einem Ganzen und gibt die vollendete Große Ausgabe seiner Gralsbotschaft heraus.

1931:
Bau der Reihenhäuser in der Gralssiedlung auf dem Vomperberg.

Die Gralssiedlung auf dem Vomperberg

Immer mehr Menschen sind von den Vorträgen Abdruschins beeindruckt und möchten den Autor persönlich kennenlernen. Manche bitten, auf dem Vomperberg bei ihm bleiben zu dürfen. Abdruschin stimmt zunächst nur den dringendsten Bitten zu, da ihn seine negativen Erfahrungen aus Heilbrunn noch zu gut in Erinnerung sind. Bald jedoch werden es so viele, dass sie bei den umliegenden Bauern nicht mehr untergebracht werden können. In seiner großen Nächstenliebe beschließt Abdruschin, Häuser für diese Gralsanhänger zu bauen. Daraus entsteht die Gralssiedlung mit allem, was dazugehört.

In der Gralssiedlung werden nach und nach alle Handwerksbetriebe eingerichtet, die für Auf- und Ausbau notwendig sind: Tischlerei mit Glaserei, Schmiede, Malerei, Autowerkstatt usw.

Man rechnete von 1928 bis 1933 damit, dass sich die Gralsbewegung bald zahlenmäßig stark vergrößern würde. Deshalb wurde geplant, die Gralssiedlung in wenigen Jahren stark zu erweitern. So war bereits ein Tempel mit einem Fassungsvermögen von 12.000 Personen vorgesehen. Dies erklärt auch, warum viele Gebäude nur aus Holz gebaut wurden: Man ging davon aus, dass sie bald wieder abgerissen und durch Steinbauten ersetzt würden.

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus erwachte in der Gralssiedlung und besonders bei Abdruschin die Ahnung von kommendem großen Unheil. Anfang 1936 legt er auf dem Dachboden des Gästehauses ein Getreidelager an, weil er die kommenden Hungersnöte voraussah und den Seinen das Hungern ersparen wollte. Zu dieser Zeit zählte die Gralssiedlung etwa 120 Personen.

Zeitzeugen beschreiben Abdruschin als jemanden, der sehr um das Wohlergehen seiner Angestellten besorgt war. Es sollte ihnen an nichts fehlen. Er legte jedoch auch Wert auf ein tadelloses Äußeres und Inneres seiner Mitarbeiter: korrekter Haarschnitt, saubere und angemessene Kleidung sowie respektvollen Umgang miteinander. Kurz: Charakter, der auch äußerlich sichtbar sein sollte – wofür er selbst das beste Beispiel gab.

Die Ausstrahlung Abdruschins war zeitweise körperlich spürbar, zuweilen sogar unerträglich stark. Ein Gralsanhänger berichtete: Er saß oft neben Abdruschin an einem Tisch, um den Fortgang in der Siedlung zu besprechen. Eines Tages stellte er seinen Stuhl ans andere Ende des Tisches, da Abdruschin sagte, seine Ausstrahlung sei heute so kräftig. Der Anhänger setzte sich wieder neben ihn, doch der Schweiß lief ihm über die Stirn, und er musste erneut den Platz wechseln. Abdruschin lachte herzhaft und freundlich.

In der Ökonomie wurden auch Tiere angeschafft: zwei Pferde, ein Esel, Pfauen (die Abdruschin sehr liebte), weiße Tauben, zwei Hunde; der Nachtwächter erhielt einen Hund namens Bari.

Ein Lebensmittel-Laden wurde eingerichtet, damit die Siedlungsbewohner nicht jedes Mal nach Vomp zum Einkaufen gehen mussten. In der Gralssiedlung herrschte anfangs eine große Aufbruchstimmung. Alle Bewohner waren erfüllt von Enthusiasmus beim Aufbau der Siedlung als „Stätte Gottes auf Erden“.

Man fühlte sich nicht in einem Arbeitsverhältnis, auch wenn Arbeitszeiten und Bezahlung geregelt waren. Nein, man fühlte sich als Gemeinschaft. Dies zeigte sich auch bei geselligen Zusammenkünften, z. B. den Weihnachtsfeiern, wo Frohsinn herrschte. Mit der Zeit jedoch schwand der Pioniergeist mancher Bewohner, und die Harmonie verschwand. Fröhlichkeit verwandelte sich in ernsthafte Sachlichkeit. Ein nicht unerheblicher Anteil daran war die „Kirchengläubigkeit“ mancher Bewohner, die innere Freiheit beeinträchtigte.

Im Jahr 1931: Abd-ru-shins erste Ehefrau Martha wird Gralsanhängerin und nimmt an einer Feier teil.

07.09.1931: Abd-ru-shin beruft seinen Adoptivsohn, Herr Alexander, zum Apostel und zu seinem Schwertträger.

Herr Alexander:
Eines Tages kommt Herr Alexander aufgeregt in die Gralssiedlung und ruft zu den Bewohnern: „Ihr müßt Euch mehr bewegen, Ihr müßt Euch mehr bewegen!“ Nach diesem Vorfall steht Herr Alexander ein paar Tage später auf dem Feld bei der Arbeit. Plötzlich trifft es ihn wie ein Blitz. Er bricht zusammen. In seinen Augen steht ein namenloser Schmerz, obwohl kein Laut seine Lippen verlässt. Seit diesem Ereignis leidet er an einer Gehbehinderung.

Frau Maria erklärte ihn für unheilbar, und tatsächlich erholte er sich nie mehr von diesem Vorfall und blieb für den Rest seines Lebens behindert.

Erklärung dieses Ereignisses:
Der Strahl des Urlöwen – ein Urgeschaffener, der als Diener des heiligen Grals in der Gralsburg dient – sollte genau in diesem Moment in Alexanders Körper eintreten und den ehemaligen Menschengeist Alexander ersetzen. Alexander wäre dann in die lichten Gefilde gekommen, damit der Urlöwe seine Aufgabe auf Erden hätte erfüllen können.

Da Alexander sich jedoch in den Jahren seines Erdenlebens schuldig gemacht und durch sein Wollen zu sehr an die Erde gebunden hatte, bildete sich ein Faden, der seinen Geist und Körper verband und die Verbindung zur grobstofflichen Erde aufrechterhielt. Dieser war zu stark, um gelöst zu werden.

Alexander hatte sich unbewusst durch sein freies Wollen, im Streben nach irdischen Dingen, an die Erde gebunden. Nach dem Gesetz konnte auch der Wille Gottes nicht eingreifen, denn der freie Wille ist unbedingtes Gesetz für den Menschengeist und kann nicht umgangen werden.

Das Aufeinanderprallen zweier Kräfte – des freien Willens Alexanders und des göttlichen Willens, dem der Urlöwe treu gehorcht – führte zu einem zerstörerischen Zusammenstoß, der sich katastrophal auf Alexanders Erdenkörper auswirkte.

Dies war weder der Umgebung noch den Berufenen zuzuschreiben. Eine Strahlenverankerung zwischen einem Urgeschaffenen und einem Menschengeist hängt allein vom betroffenen Menschengeist ab, der als Gefäß wirken soll.

Der Urlöwe wurde durch Alexanders Versagen daran gehindert, seine Aufgabe zu erfüllen, und die Recken, die dem Dienste des Schwertträgers auserkoren waren, konnten dadurch ihren Weg zu Abdruschin nicht finden.

Außerdem bedeutet dies, dass Alexander nach diesem Vorfall kein Urgeschaffener war und nicht in seinem Strahl handelte. Die spätere Verehrung Alexanders als Schwertträger und Urgeschaffener Löwe entstand aus den Vorstellungen der fantasievollen Anhängerschaft der Gralsbewegung nach Abdruschins Tod und entspricht nicht den Tatsachen.

1932:
Die zweite Andachtshalle wird errichtet. Sie ist aus Holz und steht an der Stelle, wo heute die Andachtshalle steht. In ihr findet die letzte Feier vor dem Abriss am 29.12.1951 statt.
1932:
Bau der Reihenhäuser II in der Gralssiedlung auf dem Vomperberg.

September 1932:
Lesekreise der Gralsbotschaft bilden sich in verschiedenen Ländern der Welt. Um den Lesekreisen eine Struktur zu geben, wird in Berlin von Bekennern der Gralsbotschaft der Naturphilosophische Verein von Gralsanhängern e.V. gegründet. Dies markiert den Anfang der Gralsbewegung.

Der „Naturphilosophische Verein Berlin e.V. :“ Abdruschin weist mehrfach darauf hin, daß er keine neue Kirche oder Sekte gründen will. Er bringt mit seiner Gralsbotschaft lediglich schlicht und einfach eine Erklärung des Weltgeschehens. Mehr nicht. Angefangen ganz oben bei Gott und endend ganz unten bei Luzifer. Diese Erklärung beinhaltet logischerweise auch die Wegebeschreibung von der Erde zum Paradies. Seine Botschaft wendet sich an alle Menschen. Seine Gralsanhänger haben Abd-ru-shin gefragt, wenn er denn keine neue Religion bringe, keine Sekte gründe usw., was sollen sie denn den anderen Menschen antworten, wenn sie gefragt werden, was sie da anhängen. Darauf sagte Abd-ru-shin: Eine Naturphilosophie. Weil eine Philosophie ja eine Erklärung bedeutet, und er erklärt mit seiner Gralsbotschaft die Natur, die die gesamte Schöpfung und auch den Menschen umfaßt.
Folglich nennen die Gralsanhänger ihre Gründung einen „naturphilosophischen Verein“

1932:
Abdruschin ordnet die Errichtung einer freiwilligen Feuerlöschtruppe (später Betriebsfeuerwehr) an. Sie besteht aus 20 Siedlungsbewohnern und 9 Bauern aus der Nachbarschaft als Ersatzmannschaft. Auf den Helmen ist ein Gralskreuz im Ring angebracht. Am 07.10.1932 genehmigt Abdruschin die Feuerlöschordnung, beginnend mit dem Satz: „Einer für Alle, Alle für Einen!“

25.12.1932:
Abdruschin hält den Vortrag Weihnachten 1932. Darin erwähnt er, dass Jesus einen leiblichen Vater hat, den römischen Hauptmann Kreolus. Eine Abschrift wird von einem abgefallenen Gralsanhänger an den Abt des Klosters Fiecht weitergereicht, um ausgenutzt zu werden. Der Abt beschwert sich beim Bundespräsidenten in Wien, weil darin die Gottesmutter „in unflätiger Weise“ herabgesetzt werde. Das Landgericht Innsbruck übernimmt den Fall. Der Untersuchungsrichter hält den Straftatbestand nach §303 StGB („Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgemeinschaft“) für erfüllt, der Staatsanwalt jedoch nicht. Am 08.08.1935 wird das Verfahren eingestellt.

30.01.1933:
Beginn des „Dritten Reiches“ – Tag der Machtergreifung Hitlers. Abdruschin hält einige Neuerungen des Nationalsozialismus für gut, lehnt ihn aber grundsätzlich ab, insbesondere wegen der Judenverfolgung. Böswillige, abgefallene Gralsanhänger behaupten, er sei Jude, was ihn später fast ins Gefängnis und in ein Konzentrationslager gebracht hätte. Treue Anhänger recherchieren seine „rein-arische“ Herkunft bis ins 16. Jahrhundert nach.

1933:
Bau des Verwaltungsgebäudes, in dem sich die Arbeitsräume von Abdruschin, Frau Maria und Fräulein Irmingard befinden.

1934:
Abdruschin gibt die Nachklänge seiner Gralsbotschaft heraus. Bis 1937 erscheinen weitere Einzelvorträge durch seine Stimme.

1935:
Das Gästehaus wird erbaut. Da dort zunächst die Schule untergebracht ist, heißt es anfangs Schulhaus. Es dient hauptsächlich als Schule und Kindergarten.

Das Gästehaus erbaut 1935. Es diente hauptsächlich als Schule und Kindergarten.

Ende Dezember 1935: Die neu errichtete Material-Seilbahn Vom–Vomperberg wird in Betrieb genommen.

03.01.1936:
Der Zilderer-Hof neben der Gralssiedlung wird gekauft. Zu diesem Hof gehört das Wasserrecht an der Zilderer-Quelle, die auf einer Waldparzelle in 1.100 m Höhe liegt und dem römisch-katholischen Benediktinerstift St. Georgenberg gehört. Sie versorgt die Gralssiedlung mit Wasser.

Der Zildererhof 1936

1936:
Die Gralssiedlung entsteht dadurch, dass Gralsanhänger bei Abdruschin nachfragen, ob sie in seiner Nähe wohnen dürfen. Abdruschin stimmt mit gemischten Gefühlen zu – aufgrund seiner schlechten Erfahrungen mit Anhängern in Bad Heilbrunn, aber wegen seiner großen Hilfsbereitschaft.

Nach und nach entwickelt sich durch den Zuzug immer mehr Gralsanhänger die Siedlung. Es ist also festzustellen, dass die Gralssiedlung im Prinzip keine Gründung Abdruschins ist.

Trotzdem wird die Siedlung von Abtrünnigen immer wieder missbraucht, um gegen Abdruschin vorzugehen. Sie behaupten, er habe die Siedlung gegründet, um Menschen zu „fangen“ und sie materiell und spirituell auszunehmen. Dies kann nicht stimmen, da Abdruschin einen Großteil der Kosten der Gralssiedlung trägt – nicht für sich, sondern zum Nutzen der Bewohner.

Unter dem Eindruck dieser falschen Behauptungen formuliert Abdruschin schriftlich sein Ziel für die Gralssiedlung:

Zitat Abdruschin:
*“Mein Ziel – Immer wieder tauchen alle möglichen und unmöglichen Gerüchte über mein Ziel und den Zweck der Gralssiedlung auf dem Vomperberge in Tirol auf. Diese Gerüchte entspringen völliger Unwissenheit und werden größtenteils aus übler Absicht verbreitet. In Wirklichkeit habe ich bisher überhaupt keinen festen Plan gehabt. Ich schrieb einfach meine Gralsbotschaft nieder, weil es mich drängte, sie der Menschheit zu bringen. Da diese Botschaft das Wissen des ganzen Schöpfungswirkens umfasst, so lückenlos wie es bisher nie gegeben werden konnte, erkennen die Menschen darin die Wege, die sie zu innerem Frieden und damit zu freudigem Schaffen schon auf der Erde gehen sollen.

Einigen der dringendsten Wünsche nach Wohnmöglichkeit in meiner Nähe folgend, entstand die Siedlung, ohne dass sie im Voraus geplant war. Ich folgte nur der Notwendigkeit und formte, was an mich herantrat. Angesichts der nicht nachlassenden, phantasievollen oder neid- und haßerfüllten falschen Erdichtungen werde ich mich nun zu einem festen Plan entschließen und diesen bekanntgeben: Mein Ziel ist geistiger Art!

Ich bringe keine neue Religion, will keine neue Kirche gründen, ebensowenig eine Sekte, sondern gebe ein klares Bild des selbsttätigen Schöpfungswirkens, das den Willen Gottes trägt. Daraus erkennt der Mensch, welche Wege für ihn gut sind. Alles, was mir irdische Absichten anheftet, lehne ich ab, denn diese Entstehungen stammen aus fremden Quellen und werden von anderen verbreitet, um gegen mich zu verwenden. Politische Wünsche oder Anschauungen liegen mir ebenfalls fern, da mir dazu das notwendige Verständnis fehlt.

Die Gralssiedlung auf dem Vomperberge will ich zu einem Hort des Friedens machen und zu einer Quelle geistiger Kraft für alle, die ernsthaft danach streben. Jeder Besucher des Berges soll das, was er sieht und hört, als nachahmenswert empfinden und diese Sehnsucht unauslöschlich in sich tragen, bis er sein Erdenleben danach gestaltet. So tragen die Menschen innerlich den Frieden in ihr Heim, ihr Land und erhalten neue Kraft zu frohem Schaffen. Frieden ist untrennbar mit Zufriedenheit verbunden, und daraus kann sich Glück entfalten. Das auf dem Vomperberge in Tirol zu schaffen, ist mein einziges Bestreben. Dieses kann nur allen Menschen, Familien und Staaten Nutzen bringen.“*

Auf dem Vomperberg, im Jahre 1936.
Abdruschin

Zitat Ende

Abdruschin wurde von der Gestapo mit dem Vorwurf des Eigennutzes immer wieder gequält, gestützt auf die Aussagen von Abtrünnigen.

Daraufhin fertigte er 1939 in Kipsdorf eine Niederschrift an – als Verteidigung gegen die damals wie heute ungeheuerlichen Anschuldigungen und als Bekenntnis seines Wesens.

Auszüge aus dieser Niederschrift:

„… Daß ich selbst (mit der Gralssiedlung) keinerlei persönliche Vorteile anstrebe, ist bei einem kurzen Überblicke über das Leben auf dem Vomperberg eindeutig und klar ersichtlich. Allein die vielen Angestellten und Hilfskräfte, die im Jahr ungefähr 70 000 Schillinge ( ~ 12.000 Euro im Jahr 2002, allerdings bei bedeutend niedrigeren Löhnen und Preisen) Kostenaufwand erforderten, waren ja nicht für mich da, sondern es wurde nur durch die Anwesenheit der vielen Mitwohnenden notwendig, zu deren Annehmlichkeit und Bequemlichkeit sie beitrugen. Ich hätte alle diese Menschen nicht gebraucht. Aber es galt als selbstverständlich, daß ich alle diese Kosten allein trug. Nicht anders war es auch mit vielen Dingen, die ich gar nicht besonders erwähnen will. Aber es war, ganz nüchtern angesehen, fast unwirklich, und erst jetzt erscheint mir vieles in einem ganz anderen Lichte. Daß ich noch Tausende Mittagsmahlzeiten an Bedürftige aus Vomp und Schwaz usw, ausgab, vervollständigt das Bild meines Wirkens. Während des letzten Jahres sind auch die Namen aller derer eingetragen worden, die derartige Speisungen geschenkt erhielten, wozu auch oft noch Kleidungen für Erwachsene und Kinder kamen. Auch die Schule war nicht meinetwegen, sondern lediglich um der Kinder der anderen willen notwendig geworden, und es erforderte einen großen, jährlichen Zuschuß von meiner Seite, um Lehrkräfte und Raumverzinsung auszugleichen. Nicht anders erging es mir mit der elektrischen Wäscherei, mit der Küche und den Räumen für die gemeinsamen Mahlzeiten und allem, was dazu gehörte, wie auch mit der Seilbahn, Wegebau und Instandhaltung. Wasserversorgungsanlagen, Feuerwehr, ich kam allein dafür auf, wie überhaupt für alles, was die große Anzahl der Menschen mit sich brachte und zu deren Annehmlichkeiten zählte.

Wenn ich dabei in alle Einzelheiten gehen wollte, müßte es trotz reinster Tatsache unwahrscheinlich klingen, würde aber nur wiederum zuletzt beweisen, daß ich zu sehr in meine schriftstellerischen Arbeiten vertieft war und darin lebte, um zu erkennen, wie oft und vielseitig ich ausgenützt wurde, gerade von allen denen, die sich dann gegen mich stellten, sobald sie nicht mehr Nutzen davon ziehen konnten.“

Alle grundlegenden Informationen wurden aus „Die Biographie von Oskar Ernst Bernhardt, genannt Abd-ru-shin, und seiner Familie“ von Andre Dombrowski, 11/2002, entnommen, weiter ausgebaut und ergänzt und mit passenden Bildern versehen. Die Kopie der Biographie von Andre Dombrowski finden Sie unten als PDF angehängt.

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