Was weiß der heutige Botschaftsleser schon von diesem Kampf? Was weiß er schon vom richtigen Ringen? Worum ringen Menschen heute noch, außer um irdischen Erwerb und den Schein, vor anderen gut dazustehen, sei es in Bezug auf ihr sogenanntes Wissen, ihre Demut und Bescheidenheit oder ihre Barmherzigkeit? Was erscheint dem Menschen so wertvoll, dass er dafür kämpft?
„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“, sagte einst der Gottessohn zu den Menschen. So versuchte er, den bildlichen Vorgang des Kämpfens in der heutigen Welt aufzuzeigen, wie er uns auch in der Natur unter den Tieren begegnet. Wie bei allem, was der Gottessohn brachte, muss auch dieser Satz geistig betrachtet werden und darf nicht nur auf den Kampf um das irdische Überleben beschränkt werden. Das Brot ist das Symbol für die Frucht des geistigen Wollens, das Ziel des Bestrebens. Das Bestreben des Menschen hingegen kann in eine von zwei Richtungen gehen: hoch oder runter. Entweder wird die Kraft durch das Wollen in seiner gottbestimmten Art gelenkt und führt zum Licht, oder sie wird vom Verstand verbogen und führt ins Dunkel.
Der Schweiß ist ein Zeichen für das unermüdliche Ringen, das eigene Wollen in der Schöpfung durchzusetzen und in die Tat umzusetzen, damit es Früchte trägt. Es zeigt auch, wie der Mensch zu ringen hat, um sich zu erwerben, was er will, in einer Welt, beherrscht von Neid, Missgunst, Hass und Übelwollen. Schweißgebadet, mit wachsamen Auge und bebendem Körper soll der Mensch sein hart gewonnenes Brot genießen. Er hat einen Kampf gewonnen, doch er muss sich auf den nächsten gefasst machen! Warum? Weil Gefahren ihn umlauern, niemals schlafen und ihm seine hart gewonnene Beute gewaltsam entreißen wollen! Ein einziger, unachtsamer, unwachsamer Augenblick genügt, und schon liegt er, beraubt und mit leeren Händen, im Staub. Ein solcher Mensch ist des Todes sicher, er muss verhungern, abgeschnitten von der Lebensquelle selbst, weil er nicht darum kämpfte!
Dass der Leser diese Worte als hart oder vielleicht sogar übertrieben empfindet, beweist nur, dass er nicht gekämpft hat. Er hat nie um etwas richtig gekämpft, und es ist ihm daher auch nie zum Erleben gekommen. Es entspricht jedoch der Realität, deren Nichteinsehenwollen im sturen Besserwissen und in zäher geistiger Trägheit vielleicht seinen geistigen Tod nach sich ziehen muss!
Der fleißige, listige Materialist, der kühne, tückische Verstandesmensch, der heute die irdische Macht in den Händen hält, ist mit solchen Vorgängen bestens vertraut. Auf den Ebenen, auf denen er sich bewegt, herrscht ein unerbittlicher Überlebenskampf, in dem jeder versucht, den anderen zu überlisten und ihm die Macht oder das Geld aus der Hand zu nehmen. Es herrscht höchste Regsamkeit, Anspannung gewaltiger Kräfte und ein brutaler, gnadenloser Kampf! Alle ihm verfügbaren irdischen und geistigen Werkzeuge werden von diesem Materialisten gewandt genutzt, um seine Ziele zu erreichen – um jeden Preis!
Aber wie steht es um die sogenannten Gottesdiener? Wie steht es um den Kreuzträger und den Botschaftsleser, der den größten geistigen Schatz in den Händen hält? Hat er nicht auch den Drang, ihn zu verteidigen, damit er ihm doch nicht genommen wird? Denn die Vorgänge sind dieselben wie bei den Materialisten, doch handelt es sich hier um wahres Leben, wahre Werte, die es wirklich wert sind, zu verteidigen! Und diese bietet ihm das von Gott überbrachte Wort des Menschensohnes: „Im Lichte der Wahrheit“!
Desto größer der Schatz ist, desto größer muss sich sein Besitzer bemühen, ihn nicht zu verlieren! Was muss dann die Gralsbotschaft an Ringen und Kampf wert sein, die den Schlüssel zu ewigen Freuden und ewigem Leben enthält? Welches geistige Ringen ist seines würdig? Und welche Bemühungen müssen dann vom Dunkel kommen, das in der Macht dieses Wortes seine eigene Vernichtung erkennt und jede Verbindung dazu zu schwächen sucht?
Dabei handelt es sich nicht um das Buch selbst, die Seiten, das Leder oder die Schrift, sondern das, was es enthält: reines göttliches Licht! Ein Mensch vermag dieses Licht nicht einfach zu nehmen oder zu besitzen, nein, er muss sich selbst, durch eigenes Erleben, das allein vom Umsetzen des Dargebotenen kommt, dem Licht Schritt für Schritt zu nähern suchen. Dann erst senkt sich seine Gnade und Herrlichkeit in die geistigen Hände des Menschen. Erst dann vermag er, von dem Quell des Lebens zu trinken!
Abdruschin sagte uns: „Die Schöpfung liegt in Schönheit vor Dir ausgebreitet, Mensch, doch rege dich darin auch selbst, erwirb, was du von ihr besitzen willst!“
Das Wort will erworben werden, wie jeder große Schatz! Warum sollte es gerade hier, bei Geistigem, anders sein?
Wenn um das Wort gerungen wird, dann ist es nicht auf die Verstandestätigkeit im Verstehen und Begreifen der Worte, die schwarz auf weiß, Seite für Seite vor dem Leser ausgebreitet liegen, zu beschränken. Kein Grübeln, keine Verstandesauslegungen, keine Zerstückelungen, wie es bisher in den Erdenschulen war, ist gefordert. Das Wort muss so hingenommen werden, wie es ist, es steht für sich! Wie soll der an Raum und Zeit gebundene Verstand, der als Produkt des zwei Pfund schweren Gehirns entstanden ist, etwas begreifen, das ewig und unbegrenzt ist – Gott und sein Wille? Und es in seine ihm verständlichen Begriffe zerlegen und herunterzerren? So wird er sich niemals Gott nähern können!
Er soll dem Wort einen Tempel in sich einräumen, in demütiger Aufgeschlossenheit, und alles in sich und an sich danach ausrichten. Durch seine liebevolle Hinwendung in Gedanken zum Wort soll es in ihm wachsen und gedeihen. Dann soll er das innere Leben weiter nach außen tragen, unermüdlich streben und wachsam die Welt um sich herum beobachten und aufnehmen. Dann geht er den rechten Weg, sicheren Fußes, gut gewappnet gegenüber seinen jederzeit lauernden Gefahren!
Leider ist gerade das viel leichter gesagt als getan. Denn dies bildet den größten Kampf für den Lichtstrebenden. Es fordert höchste geistige Anspannung, Wachsamkeit, nicht nur irdisch, sondern auf allen Ebenen! Alles muss er in sich aufnehmen, prüfen und reagieren und dabei nie das große geistige Ziel vor Augen verlieren. Es ist der Kampf gegen die geistige Trägheit, der größte Fallstrick des Menschen auf Erden!
Daher gab der Herr dem Menschen eine Leuchte in die Hand, die ihm in diesem Kampf leiten soll, dass er gewappnet ist gegen jeden Einfluss des Dunkels, der sich ihm zu nähern sucht. „Haltet den Herd eurer Gedanken rein, Ihr stiftet damit Frieden und seid glücklich!“ Denn die stete Aufrechterhaltung der Reinheit der Gedanken bildet einen Schutzwall, der alles nähernde Dunkel geschickt abwehrt. Das beschert den bewusst danach Handelnden auch den Frieden und das Glück, welches die natürliche Folge der Lichtverbundenheit ist.
Die Aufrechterhaltung der Reinheit der Gedanken fordert Gegenwärtigkeit, bewusstes Denken und Handeln. Aber bewusst und gegenwärtig sein heißt, jeden Moment richtig auszunutzen, jeden Moment nutzhaft auszuwerten, also für seine geistige Entwicklung! Das heißt, er muss sich auch seines Zieles stets bewusst sein, wenn er bewusst denken und handeln will. Wenn der Mensch kein Ziel verfolgt, dann muss sein Denken stets oberflächlich und schadenbringend für ihn sein, denn er wird dadurch zum Spielball fremder Gedanken, die leider heute zum weitaus größten Teil dunkler Art sind.
Daher rafft euch aus dem oberflächlichen Denken, richtet eure Gedanken aus, der Erfüllung des hohen Zieles entgegen, damit sie durchdrungen sind von der Empfindung, von der Sehnsucht nach dem Licht! Die Gedanken nach diesem hohen Ziel auszurichten heißt, die Gedanken immer von dem guten Wollen zu durchglühen. Es bedeutet zu lieben – aber im rechten Sinne, nicht in dem bisher weichlichen, falschen Sinne! Denn in der Liebe zu etwas wird sich der Mensch stets bemühen, seine Gedanken so zu formen, dass sie diesem Etwas keinen Schaden zufügen – auch auf Kosten seiner eigenen Wünsche und Begierden.
Wenn der Mensch es dann schafft, seine Gedanken rein zu halten, bilden sie Lichtkanäle, die von Lichtstreitern angewendet werden während der großen Reinigung im Gericht. Daher ist der Kampf, den man in sich selbst täglich führt, nicht nur ein Kampf für sich selbst allein, sondern für die ganze Menschheit, deren Überleben zum größten Teil von dem lichten Eingreifen dieser Streiter abhängig ist. Jede Versäumnis in diesem Kampf zwingt die Lichtstreiter zum Nichtstun – und damit zum Stillstand im Geschehen. Dadurch zieht sich auch das Gericht in die Länge, weil der Mensch gerade in diesem so ausschlaggebenden Kampf bisher so säumig war.
Nichts darf ihm hierbei im Wege stehen, nichts darf über diesen wichtigsten aller Dienste gestellt werden! Dazu gehören auch die ihm lieb gewordenen menschlichen Beziehungen. Ob es sich um den Vater, die Mutter, den Sohn, die Tochter, die Partnerin oder den Partner handelt, ist dabei ganz egal: Wenn die Beziehung der Erfüllung dieses geistigen Ziels im Wege steht, muss sie unbedingt aufgelöst werden. Die Treue zum Licht soll gehalten werden – die Treue zur Erfüllung der göttlichen Gesetze, die Treue zu seinem Mensch-Sein, die Treue zu Gott, nicht zu einem Menschen! Treue ist lebendig. Sie ist kein starres Festhalten, kein aus dem Verstand entsprungenes falsches Pflichtbewusstsein.
Bisher war er zu träge, die Gralsbotschaft in sich lebendig zu machen und das bereits Gelesene umzusetzen. Stattdessen eiferte er immer nach Neuem, ohne das Vorige voll erfasst und durchlebt zu haben. Er hat sich nicht genug bemüht, seinen Geist rege zu halten und den geistigen Kampf treu zu führen, damit ihm dieser Schatz des Lichts nicht genommen wird und seine Überzeugung lebendig wird, also nicht allein auf Äußerlichkeiten gestützt ist.
Der Mensch wurde mächtig in die Schöpfung gestellt, mit allem ihm zur Verfügung stehenden Werkzeug – aber er zieht es vor, sich wie ein Kind im Spielkasten zu verhalten und die Zeit mit Spielereien zu vertrödeln, anstatt die ihm gegebenen Waffen und Werkzeuge nutzbringend und segenspendend für die Entwicklung der ganzen Nachschöpfung einzusetzen, zur Ehre Gottes! Erst dann wird er zum wahren Menschen, was ihn in seiner eigenen Fortentwicklung wechselwirkend nur fördern kann.
Geschrieben von Marcus Dalby



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